Einer der beiden Standorte des neuen MVZ: die Praxis Mißler in der Grebenhainer neuen Mitte.
+
Einer der beiden Standorte des neuen MVZ: die Praxis Mißler in der Grebenhainer neuen Mitte.

Bauantrag ist gestellt

MVZ-Neubau verzögert sich weiter - Auf diesen Zeitpunkt hofft Aufsichtsratschef Jens Mischak

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
    schließen

Wann kann das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in neue Räume einziehen? Genau lässt sich das auch vier Monate, nachdem die Gemeindevertretung dem Modell der Firma Gabi-Projekt den Zuschlag erteilt hat, nicht sagen. Immerhin: Der Bauantrag ist gestellt. Nun hat sich der Gabi-Geschäftsführer zu den Verzögerungen geäußert.

Update vom 10. Juni, 13.19 Uhr: Die Ursachen für die Verzögerung liegen offenkundig in den allseits bekannten Marktproblemen bei der Beschaffung von Holz und anderen Baumaterialien, was sich unter anderem auch in steigenden Preisen niederschlägt. Die Finanzierung des Gesamtprojekts sei davon aber unberührt und unverändert gesichert, unterstrich Gabi-Geschäftsführer Christian Bien jetzt auf Anfrage unserer Zeitung.

Den Aufsichtsratschef der MVZ Vogelsberg gGmbH, Jens Mischak, tangiert dieser Aspekt ohnehin nicht: „Wir haben einen Vorvertrag gemacht, in dem auch ein Mietzins drinsteht. Das ist am Ende auch das Risiko des Investors“, meint der Vizelandrat mit Blick auf womöglich steigende Herstellungskosten. Bislang basiert die Planung der Projektentwickler auf ein Gebäude in Holzständerbauweise. Laut Christian Bien erwägt die Gabi-Geschäftsleitung derzeit, ob ein Umschwenken hin zur Massivbauweise die Fertigstellung des Bauvorhabens womöglich beschleunigt. Diese Entscheidung stehe schon in den nächsten Tagen an. (hgs)

Vogelsberg: MVZ-Neubau verzögert sich - Aufsichtsratschef Jens Mischak hofft auf diesen Zeitpunkt

Erstmeldung vom 5. Juni, 5.58 Uhr:

Freiensteinau - „Der 1. Januar 2022 ist jetzt unrealistisch. Wir hoffen natürlich, dass es nun vorangeht und setzen auf das zweite Quartal 22 – das kann April, aber auch Juni sein“, sagt Dr. Jens Mischak (CDU), Vize-Landrat im Vogelsbergkreis und Aufsichtsratschef des MVZ, dessen Gesellschafter der Kreis sowie die Gemeinden Freiensteinau und Grebenhain sind.

Der Bauantrag „ist letzte Woche gestellt worden. Es hat also immer noch ein bisschen gedauert. Jetzt muss man einfach sehen, dass es zügig geht. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man es zieht. Ich kann jetzt nicht noch mehr beschleunigen. Mir ist jetzt erstmal die ärztliche Absicherung wichtiger als die bauliche.“ Der Antrag für die Erweiterung des Standortes Grebenhain durch die Volksbank Grebenhain sei „zwei Wochen eher“ eingegangen. Diese hatte ihr Vorhaben Mitte März vorgestellt.

Vogelsberg: MVZ-Neubau verzögert sich aus diesen Gründen weiter

„Nach Abschluss des Vorvertrages gab es noch Nachbesserungsbedarf. Wir haben noch einmal über das Praxisaufteilungskonzept geschaut“, sagt Mischak. Die Firma Gabi-Projekt, für die sich der Aufsichtsrat im Februar entschieden hatte, hatte im März gegenüber der Kinzigtal Nachrichten ausgeführt, dass eine Praxisplanerin in die Planung einbezogen worden sei. Bestätigt wurden damals auch Gespräche mit Praxen der Fachbereiche Podologie und Urologie, die in den Neubau einziehen sollen – aber „unabhängig von uns“, wie Mischak betont. „Der Urologe hat mit unserem MVZ nichts zu tun, abgesehen davon, dass er unter dem selben Dach arbeitet. Das ist nicht schlecht, weil man dann so was wie ein Gesundheitszentrum vor Ort hätte.“

Die schwarz-rote Koalition im Vogelsbergkreis hat in ihrem Vertrag für die nächsten fünf Jahre „zwei Dinge vereinbart: Das MVZ räumlich zu erweitern. Das andere ist, es inhaltlich auf Fachärzte auszudehnen“, sagt der Gesundheitsdezernent. Derzeit beschränkt sich die Genehmigung allerdings auf Hausärzte.

Und solche werden händeringend gesucht von dem kommunalen Unternehmen. Nach dem Weggang von Dr. Andreas Böhme wird in Freiensteinau Viola Aulbach einige Stunden in der Woche durch Thorsten Kramm unterstützt, der ansonsten mit Stephanie Darmstadt die Arbeit am Standort Grebenhain stemmt. Noch vergangenes Jahr verteilten sich die Patienten auf vier Mediziner in Grebenhain und zwei in Freiensteinau.

Hausärzte werden für den MVZ-Neubau händeringend gesucht

Entspannung sollen neben der Aushilfe durch den ehemaligen Freiensteinauer Hausarzt Dr. Peter Schnepp, und dessen Lebensgefährtin Dr. Monika Kernich zwei Maßnahmen sorgen: Aulbach geht auf eine volle Stelle, und im Herbst soll eine weitere Ärztin im Blauen Eck anfangen, mit der momentan Gespräche laufen, – und Kramm wieder voll in Grebenhain arbeiten, wohin „aus formalen Gründen“ der Hauptsitz des MVZ verlegt wurde.

„Im Moment ist der Vorteil in der Personalrekrutierung, den wir uns durch das MVZ erhofft haben, noch einigermaßen überschaubar“, räumt Mischak ein. Das führt er auf Corona und die Konkurrenz durch Krankenhäuser zurück. Aber auch auf die Verzögerungen beim Neubau in Freiensteinau: „Es ist natürlich eine zusätzliche Motivation, wenn man in neuen Räumen arbeiten kann.“

Zu den Gründen für die Verzögerung hätten die Kinzigtal Nachrichten gerne mit Christian Bien, Geschäftsführer von Gabi-Projekt, ein aktuelles Gespräch geführt. Ein Termin hierfür kam trotz mehrerer Anfragen bislang nicht zustande. Am Telefon verwies er vor inzwischen einigen Wochen lediglich auf die Probleme bei der Holzbeschaffung und die steigenden Preise hin, die sich auf die Finanzierung auswirken würden. Dieser Punkt berührt den MVZ-Aufsichtsratschef nicht: „Naja. Das muss er klären. Wir haben einen Vorvertrag mit Gabi-Projekt gemacht, in dem auch ein Mietzins drinsteht. Das ist am Ende auch das Risiko des Investors.“ Dieser hatte ein Konzept für ein Gebäude in Holzständerbauweise vorgelegt.

Das könnte Sie auch interessieren