Der Neuntöter sitzt auf einem Schild.
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Auch für den Neuntöter gilt der Naturschutz.

Naturschutz

Wild auf dem Vulkan: Der Neuntöter hält Wacht - Population scheint sich zu erholen

Die Population des Neuntöters im Vogelsbergkreis scheint sich zu erholen. Immer öfter kann der Singvogel in der Natur erspäht werden.

Vogelsbergkreis - Ob er ahnt, welche Gedanken er auslösen kann bei dem Betrachter, wenn er dort auf dem Schild für Naturschutz alles beobachtet und vor allen Dingen nach Nahrung ausschaut? Wer weiß…

Immerhin war es wohl eine Art „Lieblingsaussichtsplattform“ in den vergangenen Sommerwochen für dieses prachtvolle Neuntöter-Männchen. Oft stürzte es sich von oben blitzschnell steil in die Tiefe, um mit dem kleinen gebogenen Haken vorn an seinem Schnabel ein Insekt zu ergattern. Insekten, aber auch kleinere Säugetiere wie Mäuse oder sogar Vögel stehen nämlich auf seinem Speiseplan. Aufgespießt wird die Beute jeweils auf Dornen, was eine Art von Vorratshaltung zu sein scheint.

Vogelsberg: Neuntöter-Population scheint sich zu erholen

Hier an dieser sehr naturbelassenen Stelle im Feldatal hat sich der Vogel, der zur Familie der sogenannten Würger gehört recht gut vermehrt in dieser Saison, wie zu beobachten war. Arno Eifert, Umweltbeauftragter der Stadt Grebenau, berichtet: „An manchen Stellen erleben wir den Neuntöter auch im Vogelsberg wieder ein wenig mehr.“

Fragt man in der Region rund um den Vogelsberg Landwirte der älteren Generationen, so können diese manchmal lebhaft daran erinnern, dass Neuntöter in großer Anzahl noch zu Beginn der 1950er Jahre beispielsweise in der Heuernte mit dazu gehörten. Arno Eifert weist daraufhin, dass es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen massiven Bestandseinbruch dieser Vogelart gegeben habe. Nach und nach, sehr langsam, scheine sich die Population zu erholen.

Leicht kann man es nachvollziehen: Ein Neuntöter benötigt für sein Leben in einer halboffenen Landschaft insbesondere Hecken und Dornsträucher. Letztere fielen in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur einer mehr und mehr industrialisierten Landwirtschaft zum Opfer. Unter anderem sorgen Renaturierungsmaßnahmen für eine Änderung. (Lesen Sie hier: Überall lauern Gefahren: Schwarzstorch-Bruten leicht rückläufig)

Video: Flughafen BER sorgt für Vogel-Massensterben

Seit ein paar Tagen ist weder das prachtvolle Neuntöter-Männchen noch ein unscheinbar in einer Art Tarnfarbe bräunlich gefärbtes Weibchen auf seinem gewählten Aussichtsplatz oder in der Umgebung zu sehen. So haben sich die Neuntöter als Langstreckenzieher wohl auf ihren kaum vorstellbaren Weg weit in den Süden Afrikas gemacht, weit über den Äquator hinaus. Von den Singvögeln sind sie diejenigen, die am weitesten in den Süden fliegen – man nimmt an, dass sie vorzugsweise nachts die endlosen Stecken meistern.

„Neuntöter kommen spät und ziehen früh wieder fort“, sagt der Experte. Von Ende April/Anfang Mai bis Ende August/Anfang September. Man vermisst ihn regelrecht, in seiner stolzen Haltung, die spektakulär wirkende schwarze Augenbinde am Kopf, der prächtig rotrote gefärbte Rücken. Wenn er stolz auf dem Schild saß, versteckt in einem Gebüsch oder kerzengerade voll konzentriert oben auf den Früchten im benachbarten Rapsfeld. (von Margret Perkuhn)

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