1. Fuldaer Zeitung
  2. Vogelsberg

Neues Projekt im Vogelsberg: Rettungsdienst arbeitet mit Hebammen zusammen

Erstellt:

Vogelsberg: Rettungsdienst arbeitet mit Hebammen zusammen
Arbeiten künftig zusammen: Hebamme Nina Decher und der Leiter des ärztlichen Rettungsdienstes, Dr. Erich Wranze-Bielefeld, unterzeichnen die Kooperation, die Landrat Manfred Görig sehr begrüßt, denn „wir erhöhen die Sicherheit im Rettungswagen“. © Sabine Galle-Schäfer/Vogelsbergkreis

Der Rettungsdienst im Vogelsbergkreis arbeitet ab 1. Februar mit Hebammen zusammen. Sie werden alarmiert, wenn eine Geburt unmittelbar bevorsteht. So soll hochschwangeren Frauen zusätzlich ein Stück Sicherheit geboten werden.

Vogelsbergkreis - Wenn‘s plötzlich ganz schnell geht, sollen werdende Mütter im Vogelsberg künftig in besten Händen sein. Denn: Zeichnet sich ab, dass es die Hochschwangere nicht mehr rechtzeitig in die nächste Klinik schafft, wird ab dem 1. Februar eine Hebamme hinzugezogen. Das teilt der Vogelsbergkreis in einer Pressenotiz mit.

Vogelsberg: Rettungsdienst arbeitet mit Hebammen zusammen

Mit der Kooperation folgt der Rettungsdienst einem Beispiel aus dem Kinzigtal: „Vor gut einem Jahr ist im Main-Kinzig-Kreis ein solches Pilotprojekt angelaufen, wir sind jetzt der zweite Kreis in Hessen überhaupt, der werdenden Müttern dieses zusätzliche Stück Sicherheit bietet“, betont Landrat Manfred Görig (SPD). „Ich bin sehr froh, dass sich Hebammen gefunden haben, die uns unterstützen, sodass wir die Idee umsetzen können.“

„,Hebammen vor Ort‘ nennt sich das Projekt im Main-Kinzig-Kreis, das wir richtig gut finden“, schildert Dr. Erich Wranze-Bielefeld. Der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes nahm daher umgehend Kontakt zum Landes- beziehungsweise Kreisverband der Hebammen auf, um auch im Vogelsbergkreis eine solche Kooperation zwischen Rettungsdienst und Geburtshelferinnen auf den Weg zu bringen, „zumal wir keine Geburtenstation mehr im Kreis haben und mitunter längere Fahrtstrecken zur nächsten Klinik nötig sind“. Die ersten Hebammen zeigten schnell Interesse, mittlerweile sind die ersten Verträge unterzeichnet, sodass die Kooperation am 1. Februar gestartet werden kann.

Hebammen unterstützen Rettungsdienst im Vogelsbergkreis

Nina Decher ist eine der Hebammen, die künftig im Rettungswagen mitfahren werden. Für die vierfache Mutter aus Stumpertenrod eine Herzensangelegenheit: „Es ist mir ein großes Anliegen, dass die Frauen gestärkt sind, wenn sie durch uns Hebammen im Rettungswagen betreut werden. Die Frauen sollen sich sicher fühlen“, erklärt Nina Decher, als sie gemeinsam mit Wranze-Bielefeld den Kooperationsvertrag unterzeichnet.

Zudem freut die Hebamme sich über die Wertschätzung, die mit diesem Projekt dem gesamten Berufsstand entgegengebracht wird. „Sie sagen damit: Unsere Arbeit ist wichtig, es ist gut, dass es uns gibt, denn wir können die Ängste der Frauen auf ein Minimum reduzieren.“ (Lesen Sie auch: „Miss Germany“-Wahl: Junge Hebamme aus der Rhön steht im Halbfinale)

„Und vor allem die Sicherheit erhöhen“, ergänzt Landrat Manfred Görig. Denn Notärzte kennen das Thema Geburtshilfe in der Regel nur aus dem Studium. „Sollte es bei einer Geburt zu Komplikationen kommen, dann können Ärzte und Rettungspersonal an ihre Grenzen stoßen“, weiß Dr. Wranze-Bielefeld. Und genau für solche Fälle stünden die Hebammen künftig bereit. „Wir alarmieren sie, wenn eine Geburt unmittelbar bevorsteht – zu Hause in der eigenen Wohnung oder eben im Rettungswagen“, so der ärztliche Leiter. (Lesen Sie auch: Erste Geburten per Ferndiagnose - Telenotärzte sollen bald hessenweit im Einsatz sein)

Oft komme das nicht vor. Zu insgesamt 138 Einsätzen im Zusammenhang mit einer Geburt wurde der Rettungsdienst im vergangenen Jahr im Vogelsbergkreis gerufen. Letztendlich wurde 85 Frauen mit dem Rettungswagen in die Klinik gefahren. Sieben Babys wurden in der Wohnung oder im Rettungswagen geboren. „Und dabei ging alles glatt“, sagt Dr. Wranze-Bielefeld.

Auch interessant