Die Produktionsstätte von Langheinrich in Belarus gilt dort als Vorzeigebetrieb.
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Die Produktionsstätte von Langheinrich in Belarus gilt dort als Vorzeigebetrieb.

Inhaber äußert sich

EU-Sanktionen gefährden Schlitzer Unternehmen - Langheinrich kritisiert Politik gegenüber Belarus

  • Bernd Götte
    VonBernd Götte
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Die Sanktionen gegen Belarus treffen auch Schlitz: Die Firma Langheinrich bangt um ihren Produktionsstandort im weißrussischen Kowin.

Schlitz - Eigentlich könnte es für Langheinrich gerade gar nicht schlecht aussehen. Seit dem 1. Juni läuft wieder die Produktion dank neuer Aufträge aus Österreich, 25 Menschen stehen so bei dem Schlitzer Traditionsunternehmen wieder in Lohn und Brot. Die weitere Entwicklung des Unternehmens aus dem Vogelsberg hängt vom Pandemieverlauf ab, so Burkhard Oel, der Inhaber von Langheinrich.

Die neuen Entscheidungen der EU sind dagegen für Langheinrich nach den Coronabeschränkungen ein weiter große Herausforderung um die Existenz des Unternehmens weiter zu sichern. Grund sind die EU-Sanktionen, die den Handel mit Belarus weitgehend lahm legen. Löhne und Gehälter sind von der Helaba mit Verweis auf die Sanktionen der EU nicht ausgeführt worden. Da betrifft in der kleinen Stadt in Belarus 100 Mitarbeiter von Langheinrich. Dort ist der Textilunternehmer Hauptarbeitgeber.

Vogelsberg: EU-Sanktionen gefährden Schlitzer Unternehmen Langheinrich

Oel ist über diese Entwicklung sehr verärgert. „Bisher war unsere Konfektion in Belarus immer ein Garant für die Zuverlässigkeit des Gesamtunternehmens. Aber jetzt wird jahrelang aufgebautes Vertrauen zerstört“, erklärt der Unternehmer. Die Antworten auf politische Herausforderungen orientieren sich ausschließlich an den eigenen wirtschaftlichen Interessen Deutschlands und der EU.

Es lasse ich für den Normalbürger nicht nachvollziehen, wie Flugzeugentführungen der USA – Oel verweist auf den Fall von Edward Snowden – und dem Vorfall in Minsk so unterschiedlich von der EU bewertet werden können. Gerne hätte er die Reaktion der EU bei ähnlichen Aktionen der Chinesen gesehen. An die habe sich die EU und Deutschland als Autoland längst verkauft. Die unzähligen gut bezahlten Lobbyisten der großen Verbände gingen in Berlin ein und aus. Leider habe die Textilindustrie derzeit keine Lobby. (Lesen Sie hier: Riesiger Schwertransport bahnt sich Weg durch Schlitz)

Schlitzer Textilunternehmen Langheinrich - Inhaber Burkhard Oel ist erzürnt

Firmeninhaber Oel ist besorgt: „Die Verlagerung der Ausrüstung zu unserer bereits seit 15 Jahren bestehenden Konfektion nach Belarus ist durch die umgesetzten Sanktionen der EU nun in Frage gestellt. Wie es mit diesen Sanktionen für Langheinrich weitergehen soll, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.“ Sanktionen hätten gezeigt, dass diese nichts als Gegensanktionen bewirkten. Die Unfähigkeit und Arroganz der westlichen Politik auf Augenhöhe mit Verantwortlichen in Belarus zu kommunizieren zeige laut Burkhard Oel einmal mehr, wie wenig Sachverstand und Kenntnisse über die russische Seele, Kultur und Historie vorhanden ist.

Oel ist wütend auf die deutsche Außenpolitik. „Viele Politiker sollten sich mit Äußerungen und Einmischungen in innere Angelegenheiten andere Länder sehr stark zurück halten. Wir in der EU und Deutschland haben genug mit unseren eigenen Problemen zu tun“, so Oels Bewertung dieser für das Unternehmen Langheinrich sehr schwerwiegenden Entscheidung der EU.

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