Anne Schumann. Petra Burmann und Clemens Schklemmer servierten in der Stadtkirche „Musicalische Schlemmerey“.
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Anne Schumann. Petra Burmann und Clemens Schklemmer servierten in der Stadtkirche „Musicalische Schlemmerey“.

Frühbarocke Musik

„Musicalische Schlemmerey“ begeistert in Schlitzer Stadtkirche

  • Bernd Götte
    VonBernd Götte
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Frühbarocke Musik gab es am Freitagabend in der Stadtkirche zu hören. Gut ein Dutzend Besucher ließen sich von leichtfüßigen Klängen aus schweren Zeiten verzücken. 

Schlitz - „Musicalische Schlemmerey“ nennt sich das Trio, dass sich auf die Musik des Frühbarock spezialisiert hat und ein erstaunlich leicht verdaulichen Ohrenschmaus servierte. Schließlich hatten Anne Schumann mit ihrer Barockgeige, Clemens Schlemmer mit dem Dulcian und Petra Burmann mit der Theorbe keine Instrumente mitgebracht, die man heute noch alltäglich hört.

Aber sie verstanden die Vielseitigkeit der Geige, die im Barock übrigens nicht unter den Kinn, sondern am Schlüsselbein gehalten wurde, der fröhlichen „Verzupftheit“ der Theorbe, die einer überdimensionalen Laute ähnelt, und dem warmen, dunklen Klang des Dulcians, eines Vorgängers des modernen Fagotts, zu nutzen, um die Zuhörerinnen und Zuhörer auf die fröhliche Seite des 17. Jahrhunderts zu ziehen, auch wenn melancholische Töne nicht gänzlich fehlten. Aber, das hatten die Musiker sicher erkannt, die braucht man im Moment ohnehin nicht so dringend. (Lesen Sie hier: Trachtenfest-Fans feiern 25. Stunde in Schlitz)

Schlitz: Frühbarocke Musik in der Stadtkirche

Als roter Faden diente dem Konzertprogramm eine Reise des spanischen Komponisten Bartolomeo de Selma y Salaverde, der in den 20er-Jahren des 17. Jahrhunderts eine Reise von Madrid nach Warschau geplant hat. Ob er je in Warschau angekommen ist, weiß man nicht, „wir forschen noch“, meinte Schlemmer, der durch das Programm führte, zuversichtlich. Aber seine Kompositionen lassen Raum für viel Spekulation, und Schlemmer geht davon aus, dass er zumindest in Innsbruck und Breslau auf Musikerkollegen getroffen ist, deren Werke ebenfalls Eingang in das Programm fanden.

Und obwohl – oder gerade weil – die Zeit in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts vom 30-jährigen Krieg und der Pest überschattet wurde, gelang es den Musici, unbeschwerte Heiterkeit in ihre Kompositionen zu legen, die man in der Stadtkirche in Schlitz (Vogelsberg) dann gerne genoss. Der bescheiden als Werkstattkonzert titulierte Auftritt wurde zu einem atemberaubend schönen Blick in die Welt der frühbarocken Musik.

Zuhörer von „Musicalischer Schlemmerey“ verzaubert

Man konnte sich in diese Zeit zurückträumen, auch wenn es klar war, das „Musicalische Schlemmerey“ allen klar war, dass solche Musik vor allem den Höfen vorbehalten war und den Diplomaten, die in Zeiten des Krieges auch damals schon eifrig und lange Zeit erfolglos nach Lösungen suchten.

Für die Zuhörer war dieses Konzert jedenfalls eine willkommene Erfrischung für Gemüt und Gehör. Dem von Schlemmer zitierten kirchlichen Jahresmotto „Seid barmherzig wie auch unser Vater barmherzig ist“ kamen sie mit großzügigen Spenden für die Gemeinde nach.

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