Die Europäische Sumpfschildkröte ist klein bis mittelgroß und kann im heimischen Gartenteich leben.
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Die Europäische Sumpfschildkröte ist klein bis mittelgroß und kann im heimischen Gartenteich leben.

Population soll sich vergrößern

Mehr Sumpfschildkröten im Schlitzerland - Auswilderung am Altarm der Fulda

  • Ann-Katrin Hahner
    VonAnn-Katrin Hahner
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Die Europäische Sumpfschildkröte ist im Schlitzerland heimisch, aber recht selten. Nun soll der Bestand mit Mitteln der Hessischen Artenschutzprogramms „Europäische Sumpfschildkröte“ aufgefrischt werden. 

Schlitz - Das Naturschutz- (NSG) und Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) „Breitecke“, ein Altarm der Fulda bei Schlitz (Vogelsberg), sowie die angrenzende Fulda gelten schon seit vielen Generationen als Lebensraum der Europäischen Sumpfschildkröte.

Andernorts landeten die letzten mitteleuropäischen Sumpfschildkröten als Delikatesse in den Bäuchen der damals Wohlhabenden oder wurden als Fischräuber verfolgt und getötet. In Schlitz aber erkannte der Reptilienliebhaber und Naturinteressierte Graf Carl von Görtz die Zeichen der Zeit. Vermutlich zwischen 1850 und 1860 – Schlitz gehörte damals zum Großherzogtum Hessen – begann der Naturliebhaber das wahrscheinlich älteste Hessische Artenschutzprojekt und ließ Sumpfschildkröten an den Flüssen Fulda und Schlitz auswildern.

Jetzt – rund 170 Jahre später – leben immer noch Sumpfschildkröten in der Fulda und ihren Nebenflüssen, haben selbst der Gewässerverschmutzung der 1970er und 80er Jahre getrotzt. Allerdings waren die Schildkrötenbestände stark ausgedünnt und eine Reproduktion der Tiere war kaum noch möglich.

Vogelsberg: Mehr Schildkröten in Schlitz - Auswilderung an der Fulda

Mit der Stützung des Bestands der ältesten hessischen durch Auswilderung begründeten Sumpfschildkrötenpopulation und der Auswilderung von zunächst acht Jungtieren aus dem Nachzucht-Programm wurde 2007 begonnen. In den Folgejahren wurde weitere Tiere im Schutzgebiet ausgewildert. Die letzte Auswilderung von zwölf Jungtieren fand am im Mai dieses Jahres statt.

Über die vergangenen 15 Jahre wurden auf diese Weise 68 Tiere ausgebracht. Ziel ist es, im Schutzgebiet „Breitecke“ mindestens 100 Tiere aus kontrollierter Nachzucht auszubringen. Es ist davon auszugehen, dass sich die ausgewilderten Tiere teilweise im gesamten Gewässer-System der Fulda und ihren Nebengewässern ausgebreitet haben oder noch ausbreiten werden. (Lesen Sie hier: Landschildkröte von der Straße gerettet)

Vorgesehen ist in den kommenden Jahren ebenfalls ein Besatz von bis zu 50 Tieren im neu gestalteten „Fulda-Altarm“ bei Üllershausen, der einige Kilometer flussaufwärts der „Breitecke“ liegt. Mit der Auswilderung an diesem neu gestalteten Gewässer kann begonnen werden, sobald die Habitat-Qualitäten für Emys orbicularis geeignet sind.

Ausgewilderte Sumpfschildkröten - Junge Weibchen sollen für größere Population sorgen

Circa 85 Prozent der im Fuldasystem ausgewilderten Sumpfschildkröten sind junge Weibchen, um die Reproduktion in den Habitaten zu fördern und zu beschleunigen. Durch Wahl der Bruttemperatur bei der Bebrütung der Schildkröteneier in den Brutschränken der beteiligten Zoos und Züchter kann bei der Sumpfschildkröte sehr gut das Geschlecht der Tiere beeinflusst werden.

Bei konstanten Bruttemperaturen von 27 bis 28 Grad während der sogenannten thermosensitiven Phase der embryonalen Entwicklung bilden sich überwiegend Männchen, bei Temperaturen von 29 bis 31 Grad hauptsächlich Weibchen.

Ein spezielles und von anderen Standorten abweichendes Monitoring der Sumpfschildkröten in der Fulda ist nicht vorgesehen. Es werden aber alle gemeldeten Sichtbeobachtungen, beispielsweise von Anglern oder Kanuten, und auch Fundtiere erfasst und in einer landesweiten Datenbank gespeichert.

Zudem werden alle Auswilderungstiere sowie aufgefundenen Fundtiere mit einem winzig kleinen Chip versehen und auf diese Weise individuell markiert. Im Falle eines Fundes können so die Gewichtszunahme des Tiers, die Entfernung zum Auswilderungsgewässer und weitere Informationen ermittelt werden. (bg)

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