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Avantgarde und alte Dorfansichten - Kulturladen in Schlitz hat wieder geöffnet

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Von: Bernd Götte

Annika Keidel tanzte begleitet von Anka Hirsch.
Annika Keidel tanzte begleitet von Anka Hirsch. © Bernd Götte

Tänzerische Avantgarde und fotografische Reminiszenzen an alte Zeiten mitten in Schlitz, dazu orientalische Musik – mehr Multikulti geht eigentlich nicht. Der Kulturladen hat wieder eröffnet.

Schlitz - Der Kulturladen in der Salzschlirfer Straße in Schlitz (Vogelsberg) etabliert sich: Zunächst nur für ein Jahr geplant, wurden die Mittel vom Kreis für ein weiteres Jahr bewilligt, worüber sich nicht nur die Initiatorinnen von „Travogelsberg“ freuen. Die Veranstaltungen haben jetzt schon ein Stammpublikum gewonnen, das sich von immer neuen kulturellen Reizen einnehmen lässt.

Am Wochenende war es zum einen eine Fotoausstellung mit Aufnahmen aus den 1960er Jahren aus Breitenbach. Der Breitenbacher Förster Kurt Frantz hat bis 1972 das ländliche Leben in seinem Wirkungsbereich auf Fotopapier gebannt. Wenn man die Bilder sieht, ist man nur aufgrund des Farbfilms sicher, dass es sich um die 1960er und nicht gar um die 1860er Jahre handelt.

Dokumentiert ist das bäuerliche Leben jener Zeit, wirkt aber auch schon für die 1960er Jahre recht nostalgisch. Wolfgang Wortmann vom Fuldaer Kulturzentrum Kreuz, der die kleine Ausstellung kuratiert, berichtete aber von lebhaften Gesprächen unter den Breitenbachern in der Kirche des Ortes, wo die Aufnahmen zuerst gezeigt wurden, weil sie Verwandte und Bekannte auf den Bildern wiederentdeckten. (Lesen Sie hier: Probenbeginn für Musical mit Chris de Burgh in Fulda)

Vogelsberg: Schlitzer Kulturladen öffnet mit Musik aus allen Kulturen

Zuvor hatte für die „Betreiber“ des Kulturladens Jörg Kleine die Gäste zum spenden für die Veranstaltung aufgerufen, denn Eintritt kostete es nicht. Eine avantgardistische Tanzperformance von Annika Keidel zum Thema Kultur setzte einen ganz eigenen Akzent in der Veranstaltung; begleitet wurde sie am Cello von Anka Hirsch.

Auch hier traf Neuartiges auf Altbekanntes. So variierte Hirsch mit Versatzstücken des Volksliedes „die Gedanken sind frei“ und der Titelmelodie von „Star Wars“. Mit einem etwas spärlichen Konfettiregen erklärte darauf Keidel den Kulturladen für wieder eröffnet.

„Liebe Annika, jetzt wird’s schwer, tanzen kann ich net“, meinte Bürgermeister Heiko Siemon (CDU) in seiner Eröffnungsansprache. Er freute sich, ankündigen zu können, dass der Kulturladen ein weiteres Jahr geöffnet hat.

„Ein Leerstand ist immer auch eine große Chance“, erklärte Annika Keidel. Ein solcher wurde nun mit dem Kulturladen gefüllt. „Der Kulturladen ist ein Ort für alle von allen“, befand Keidel.

Klänge fast wie aus „1001 Nacht“ verzaubern die Besucher

Wolfgang Wortmann wandte sich besonders an Bürgermeister Siemon. Das, was er gesagt habe, sei wie ein Versprechen gewesen. „Ich glaube, Herr Siemon ist ein Ermöglicher“. Zudem glaube er, „die Zeichen stehen hier auf Zukunft“.

Klänge fast wie aus „1001 Nacht“ gaben dann die beiden syrischen Musiker Mukdad und Idris, in deren Lieder es um „Leben, Liebe und Heimweh“ – sagte Idris – ging. Dass sie in ihren orientalischen Sound auch die Melodie des bekannten russischen Kasatschoks einwoben, gab ihrer Darbietung eine ebenso internationale als auch aktuelle Note.

Musik aus dem Orient bot am Folgetag auch das Turnalar-Quartett, das es ebenfalls verstand, mit Klängen aus Arabien und Persien den Zuhörerinnen und Zuhörern einen fliegenden Teppich auszulegen, mit dem sie in ferne Länder reisen konnten.

Als weitere Veranstaltungen im Kulturladen ist unter anderem eine Lego- und Playmobilausstellung in Planung. Wer weitere kulturelle Ideen hat, kann sich an Oliver Rohde von der Stadt wenden unter „oliver.rohde@schlitz-hessen.de“.

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