Die Sparkasse Oberhessen wird acht Filialen schließen.
+
Die Sparkasse Oberhessen wird acht Filialen schließen.

Steigender Kostendruck

Nach VR Bank Fulda: Auch Sparkasse Oberhessen schließt Filialen im Vogelsberg

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
    schließen

Wenige Tage nach der VR Bank Fulda kündigt mit der Sparkasse Oberhessen die zweite Bank in der Region an, dass sie zum Jahreswechsel Filialen schließen und Angebote reduzieren wird. Dagegen kommt Protest aus der Politik. 

Fulda - Die Ankündigung der VR Bank, die Filialen in Ehrenberg-Wüstensachsen (Kreis Fulda) und Steinau-Ulmbach (Main-Kinzig-Kreis) zu schließen, hat vor Ort zu heftigen Protesten geführt. Sogar eine Demo fand in Fulda statt. Die Bank hält aber an ihren Plänen fest.

Jetzt macht die Sparkasse Oberhessen Schließungspläne öffentlich. Sie reagiert damit – wie viele andere Banken – auf mehrere Trends: Kunden kommen seltener in die Filiale; sie zahlen häufiger mit Karten und brauchen deshalb weniger Bargeld – allein bei der Sparkasse Oberhessen ging die Nachfrage nach Bargeldabhebungen im Corona-Jahr um ein Drittel zurück – und der Kostendruck steigt.

Die Sparkasse Oberhessen schließt deshalb in Städten, in denen sie an mehreren Standorten präsent war, acht kleinere Selbstbedienungsfilialen. Das betrifft in Lauterbach (Vogelsbergkreis) die Standort Karlstraße und Berliner Platz. Auch eine Filiale in Friedberg, wo der Mietvertrag ausläuft, wird geschlossen.

Vogelsberg: Sparkasse Oberhessen schließt acht Filialen im Kreis

Zwölf Filialen im Wetteraukreis, die seit März 2020 pandemiebedingt geschlossen waren, werden zur SB-Filiale umgewandelt.

Sechs Filialen werden zu „Beratungsfilialen mit Selbstbedienungsangebot“. Das bedeutet: Es gibt keine personenbesetzten Serviceschalter mehr, Beratungen gibt es nur noch auf Termin. Die Selbstbedienungszonen bleiben aber unverändert in Betrieb. Das betrifft die Standorte Ober-Mörlen (Wetteraukreis) sowie im Vogelsbergkreis Ulrichstein, Grebenau, Grebenhain, Angersbach und Freiensteinau.

Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen wurden vorab informiert. Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen: „Die Entscheidung der Sparkasse Oberhessen bedauere ich, denn ein persönlicher Service ist gerade für die ältere Bevölkerung sehr wichtig“, sagt der Wartenberger Bürgermeister Dr. Olaf Dahlmann (SPD). Doch auch bei allen anderen Altersgruppen gebe es Beratungsbedarf, der sich im direkten Gespräch ergebe oder aber dem Kunden beim Aufsuchen des Bankgebäudes kurzfristig einfällt. „Gleichwohl bin ich sehr froh, dass der Geldautomat, der Kontoauszugsdrucker sowie das Überweisungsterminal – und auch der Service durch die fahrende Filiale in Landenhausen – erhalten bleiben. Auch wenn ich den generellen Rückbau von Leistungen sehr kritisch sehe: Eine grundsätzliche Versorgung gerade im Bereich Bargeld bleibt erhalten.“

Schließung der Sparkasse Oberhessen - Zumindest die Geldautomaten bleiben

Ähnlich wägt Freiensteinaus Rathauschef Sascha Spielberger (parteilos) ab: „Die Nachricht hat im Rathaus natürlich keine Jubelstürme ausgelöst. Allerdings habe ich Verständnis, dass man den Servicebereich aufgrund des Kostendruckes umstellen muss. Persönlich hätte ich schon früher mit einer solchen Maßnahme gerechnet. Wichtig ist für uns allerdings, dass die individuelle Beratungsmöglichkeit nach Terminvereinbarung erhalten bleibt und auch die Automaten zugänglich bleiben.“

Die VR Bank Fulda wird in den beiden Filialen, die sie schließt, auch die Geldautomaten abbauen. Die Sparkasse Oberhessen hingegen belässt die Automaten. „Der Betrieb eines Geldautomaten ist teuer. Er kostet 15.000 bis 20.000 Euro im Jahr. Auch die Gefahr von Vandalismus und Automatensprengungen sind in unbesetzten Standorten größer“, sagt Eric Zimdars, Sprecher der Sparkasse Oberhessen. „In den betroffenen Filialen ist die Nachfrage nach Bargeld aber so hoch, dass das Belassen der SB-Zonen vertretbar ist“, sagt Zimdars. An fünf Standorten betreibt die Sparkasse Oberhessen ihre Geldautomaten gemeinsam mit einer Volksbank.

Video: Fulda: Demo gegen Schließung von VR-Bank-Filialen

Das Institut betont, es ziehe sich aus keiner Kommune zurück, in der es aktuell vertreten ist. In Zukunft verfügt die Bank über 22 Beratungscenter, sechs Beratungsfilialen, 28 reine Selbstbedienungsstandorte und eine fahrbare Filiale mit 42 Haltestellen im Vogelsbergkreis.

Die Sparkasse Fulda will derzeit keine Filialen schließen. Ihr Sprecher Richard Hartwig bekräftigt gegenüber unserer Zeitung: „Die Beobachtung und die Analyse des Kundenverhaltens sind Daueraufgaben in der Sparkasse. Dazu gehört selbstverständlich auch, die Nutzung unserer Filialen im Blick zu haben. Aktuell gibt es keine Beschlussfassung, die zu Veränderungen führen könnte.“

Das könnte Sie auch interessieren