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Ukraine-Geflüchtete in Schlitz - Dynamische Lage stellt Stadt vor Herausforderungen

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Von: Bernd Götte

Im Bürgerhaus wäre noch Platz für weitere Flüchtlinge.
Im Bürgerhaus wäre noch Platz für weitere Flüchtlinge. © Sigi Stock

Anzahl und Aufenthalt von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine in Deutschland sind unsicher. Viele kommen privat unter, andere melden sich sofort bei den Behörden. Bürgermeister Heiko Siemon (CDU) sieht dies aber als kein sehr großes Problem.

Schlitz - Die Zahl der aufgenommenen Personen in der Notunterkunft im Schlitzer Bürgerhaus variiere, am Freitagabend seien es 16 gewesen. Insgesamt sind per Ende letzter Woche 58 Personen im Schlitzerland gemeldet. Weiter erklärt Siemon, hätte man einen maximalen Zuweisungsschlüssel für das Schlitzerland von bis zu 43 Menschen bekommen. Zunächst sei aber an die Unterbringung von circa der Hälfte gedacht, um auch eine gewisse Privatsphäre in einer Notunterkunft sicherstellen zu können.

Notwendiger Platz würde auch dadurch geschaffen, dass Hilfsgüter und Kleiderkammer nun im ehemaligen „Woolworth“-Gebäude in der Günthergasse eingerichtete werden. „Das ist eine dynamische Lage“, berichtet Siemon. Erst neulich hätten zwei Geflüchtete mitten in der Nacht an der Notunterkunft geklingelt, auch musste für eine Person mit Zahnschmerzen am Wochenende ein Zahnarztbesuch organisiert werden. (Lesen Sie auch: Flüchtlingskinder in Vogelsberger Schulen - Evangelische Kirche koordiniert Lernteams)

Vogelsberg: Ukraine-Geflüchtete stellen Schlitz vor Herausforderungen

Siemon ist dankbar für die Unterstützung durch die zahlreichen privaten ehrenamtlichen Helfer, besonders für den Einsatz des DRK Ortsverbands Schlitz. Von städtischer Seite tagt jeweils freitags ein Koordinierungsstab, an dem neben dem Bürgermeister der Ortsvereinsvorsitzende des DRK Schlitzerland Thomas Müller, eine Kontaktperson, die sich ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmert, und jeweils ein Mitarbeiter des Bauamts, der Stadtkasse und der Stadtwerke teilnehmen.

Die freiwillige Hilfe möchte Siemon aber noch besser strukturieren. Deswegen wirbt er unter anderem dafür, Möbelspenden unter der Adresse „fluechtlingshilfe@schlitz-hessen.de“ anzumelden. Nicht alles, was angeboten werde, werde nämlich auch tatsächlich gebraucht.

Zuständig für die Zuweisung der Flüchtlinge und die Akquirierung von Unterkünften ist aber vor allem der Vogelsbergkreis. Dazu gebe es wöchentlich eine Videokonferenz mit dem Landrat und den Bürgermeistern des Kreises. „Die Situation bedeutet sehr viel Mehraufwand wegen des hohen Abstimmungsbedarfs“, räumt Siemon ein.

Hilfe für Flüchtlinge - In Schlitz werden weiter Ehrenamtliche gesucht

Nach und nach sollen die Flüchtlinge auf feste Wohnungen verteilt werden, nach dem Motto, wer zuerst kam, ist zuerst dran. Erst wenn die Wohnungen fest seien, mache es für die betreffenden Familien Sinn, die Kinder an den Schulen anzumelden, denn für die Menschen in der Notunterkunft Bürgerhaus bestehe auch die Möglichkeit, dass sie letztlich in einer anderen Gemeinde im Kreis untergebracht werden.

Derzeit erhielten die Kinder Online-Unterricht aus der Ukraine, was gut funktioniere. Als hilfreich erachtet Siemon die Anbindung ans Testzentrum, weil so notwendige Corona-Tests quasi über den Flur hinweg vorgenommen werden können.

Der Idee, Geflüchtete in anderen Dorfgemeinschaftshäusern unterzubringen, steht Siemon aber etwas skeptisch gegenüber, denn woher sollten zum Beispiel die dort notwendigen mobilen Duschen kommen und wie bekommt man dann eine reibungslose Anbindung an das DRK Schlitz und die ehrenamtlichen Helfer? Vielmehr schaut der Koordinationsstab nach Räumen in der Kernstadt, falls die Kapazitäten für Notunterkünfte ausgebaut werden müssen.

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