Bei schweren Unfällen wie dem bei Freiensteinau kümmern sich Notfallseelsorger vor Ort um die Beteiligten.
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Bei schweren Unfällen wie dem bei Freiensteinau kümmern sich Notfallseelsorger vor Ort um die Beteiligten.

Seelsorger helfen

Region im Schockzustand: Trauer und Betroffenheit nach Unfall-Tod eines 15-Jährigen im Vogelsberg

  • Walter Kreuzer
    VonWalter Kreuzer
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Das Unbegreifliche greifbar machen – daran versuchen sich seit dem tragischen Unfall in der Nacht zum Samstag, bei dem ein 15-Jähriger ums Leben kam, zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Freiensteinau und Grebenhain. Gelingen mag es kaum. 

Freiensteinau - Es ist ein Ereignis, das alle Eltern, Verwandten oder Freunde – und die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei – nie erleben möchten: Bei einem Verkehrsunfall kommt ein Jugendlicher ums Leben, zwei weitere liegen mit schweren Verletzungen im Krankenhaus.

„Es ist spürbar, dass die ganze Region in Schockzustand und Trauer ist, und noch nicht richtig begreifen kann, was passiert ist. Jeder hier kennt einen der Beteiligten. Der Unbegreiflichkeit des Geschehens Worte zu geben, ist unmöglich“, fasst Freiensteinaus Bürgermeister Sascha Spielberger (parteilos) die Gemütslage großer Teile der Bevölkerung der Gemeinde im Vogelsbergkreis zusammen.

Vogelsberg: Region im Schockzustand nach Unfall-Tod eines 15-Jährigen

Betroffen ist neben dem Blauen Eck, aus dessen Dörfern der Fahrer und der 15-Jährige stammen, aber auch Grebenhain. Der 14 Jahre alte Verletzte kommt aus einem dortigen Ortsteil. Die beiden Jugendlichen besuchten die Oberwaldschule Grebenhain. Diese hat die feierliche Zeugnisausgabe an die Abschlussklassen abgesagt.

Von einem „sehr betrübtem Gefühl“ spricht Ralf Heß. Der Ortsvorsteher von Reichlos, wo der gestorbene Jugendliche herkommt, beobachtete, dass „am Samstag niemand auf der Straße zu sehen war. Jeder hat nur das Notwendigste gemacht.“ Es werde versucht, „die Familie bestmöglich zu unterstützen. Die Jugendlichen haben sich getroffen und über den Unfall gesprochen. Man merkt den Zusammenhalt im Dorf. Das gibt den Betroffenen Kraft. Hier kann sich einer auf den anderen verlassen“, sagt Heß. Er selbst sei mit der Feuerwehr des 140-Einwohner-Ortes zu dem Unfall gerufen worden: „Zum Glück mussten wir nur in Weidenau die Straße absperren.“

Direkt an der Unfallstelle war der Freiensteinauer Wehrführer Heiko Lein, dem dieser Einsatz – wie vielen seiner Kameraden – besonders nahe geht: „Viele unserer jüngeren Einsatzkräfte kannten die Beteiligten.“ Um diese Eindrücke, die „Bilder im Kopf“, zu bewältigen, „hilft es, wenn du darüber sprichst. Wir hatten ein Treffen und ein weiteres ist vorgesehen. Wer möchte, bekommt Einzelgespräche mit einem Notfallseelsorger“, spricht Lein den Versuch an, das Unglück zu verarbeiten.

Video: 15-Jähriger stirbt bei Unfall in Freiensteinau

Drei Notfallseelsorger waren an der Unfallstelle. Eine davon ist Jutta Stern aus Nieder-Moos. Der Unfall hat sie besonders mitgenommen, weil sie alle Betroffenen persönlich seit vielen Jahren kennt, berichtet sie. Generell, so erklärt sie im Gespräch, werden die etwa zwei Dutzend Notfallseelsorger im Vogelsbergkreis über die Leitstelle alarmiert. Vor Ort gelte es dann, sich um die Beteiligten und die Einsatzkräfte zu kümmern: „Man klopft ab, wo Bedarf da ist.“

Bei Weidenau war jedoch „ein junger Mensch gestorben. Da ist es zwingend, uns um die Angehörigen zu kümmern. Über die sozialen Medien sickert immer was durch. Es gilt zu verhindern, dass nahe Angehörige die traurige Nachricht aus den Medien erfahren“, betont Stern. „Wenn die Identität zu 100 Prozent sicher ist, dann müssen wir dort hin.“ Mit einer Kollegen sowie in Begleitung der Polizei und des Rettungsdienstes habe sie diese Aufgabe übernommen: „Es war mega, mega, mega hart – aber es ging. Ich hatte das Gefühl, dass es gut war, dass die Nachricht von jemand Vertrautem überbracht wurde.“

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