Es fehlt an einer Wirtschaft, die sich am Gemeinwohl orientiert.
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Die Gemeinde Freiensteinau wird die erneuten Windkraftpläne in ihrem Gebiet akzeptieren. Allerdings hofft Bürgermeister Sascha Spielberger darauf, finanziell möglichst viel für seine Gemeinde herausschlagen zu können. (Symbolfoto)

Bürgermeister äußert sich

Freiensteinau: So reagiert die Gemeinde auf die aktuellen Windkraftpläne

  • Walter Kreuzer
    VonWalter Kreuzer
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Ein klein wenig erinnert die Situation an das Jahr 2009. Damals wollte die Gemeinde Freiensteinau keine Windräder auf ihrem Territorium akzeptieren – verhindert werden konnten die Anlagen bei Fleschenbach nicht. Nun ist Bürgermeister Sascha Spielberger (parteilos) nicht gerade erfreut über die bei Radmühl geplanten Anlagen, will aber finanziell möglichst viel für die Gemeinde herausholen. 

Freiensteinau - Vor zwölf Jahren zog Freiensteinau (Vogelsberg) eine Klage gegen das Regierungspräsidium zurück und arrangierte sich schließlich mit der Firma Luftstrom und dem Bau von fünf Windrädern bei Fleschenbach. Dass nun südlich von Radmühl im Dreieck mit den Dörfern Oberreichenbach und Rebsdorf der Wiener Investor ImWind Erneuerbare Energie sowie die Firma GAIA aus Lambsheim als Projektentwickler drei Windräder bauen wollen, kommt für die Gemeinde nicht überraschend. Der Grund: Der Bereich ist seit einigen Jahren im Regionalplan Mittelhessen als Vorranggebiet 5167 vorgesehen. Spielberger: „Wir haben eine ablehnende Stellungnahme dazu abgegeben, da die Gemeinde kein Umsetzungsinteresse hat.“

Hieran habe sich auch nichts geändert. Schließlich handele es sich „fast ausschließlich um Privatflächen. Das widerspricht unserer sonstigen Planung, die Wertschöpfung möglichst der Allgemeinheit zugute kommen zu lassen“. Der Windpark Hallo etwa steht auf Gemeindeeigentum, und auch der sich im Genehmigungsverfahren befindliche Windpark Kohlwald zwischen Weidenau und Reinhards gehört weitgehend der Kommune.

Vogelsberg: Windkraftpläne in Freiensteinau - So reagiert die Gemeinde

Bürgermeister Sascha Spielberger vor einer Karte mit dem Vorranggebiet 5167. Dieses ist auf der Karte links unten grün eingezeichnet und beginnt etwa einen Kilometer von Radmühl sowie von Rebsdorf entfernt.

Die Grenze des Gebietes südlich von Radmühl ist etwa 1000 Meter vom Ort entfernt. Zwei der drei vorgesehenen Standorte befinden sich offenbar in den Fürst von Isenburgischen Wäldern – in diesen sind auf Birsteiner Gebiet weitere neun Windräder vorgesehen. (Passend zum Thema: Bahn, Windkraft, Stromstrassen - Wird der Kiebitzgrund überlastet?)

Bürgermeister will finanziell möglichst viel für Freiensteinau herausholen

Der dritte Standort ist laut Spielberger so nah an einem Gemeindegrundstück, dass deren Einverständnis nötig ist. Über dieses führt der Rathauschef derzeit Verhandlungen mit dem Projektierer. Allerdings befindet er sich in einer schwachen Verhandlungsposition, da bei Verschiebung des Standortes die Gemeinde leer ausginge, was Pachteinnahmen angeht. Auch planungsrechtlich sind Freiensteinau die Hände gebunden. „Privatwirtschaftlich macht eine Ablehnung keinen Sinn. Wir versuchen, wirtschaftlich an dem Ganzen zu partizipieren. Die Frage, ob wir die Anlagen wollen oder nicht, stellt sich nicht. Sie ist durch den Regionalplan beantwortet. Wir werden uns nicht auf die Hinterbeine stellen“, fasst Spielberger zusammen.

Aufgrund des Umfangs des Gesamtvorhabens im Scheuerwald und der Aurora wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nötig. Das bedeutet, „dass jeder Bürger eine Eingabe in dem Verfahren machen kann“.

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