Taucher steigen in den Reichloser Teich.
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Naturschützer suchten im Reichloser Teich nach Wasserpflanzen

Reichlos und Ober-Moos

Tauchen für die Wissenschaft: Suche nach Unterwasserpflanzen in Teichen

  • Walter Kreuzer
    VonWalter Kreuzer
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Keine „Armleuchteralgen“ wie vermutet, dafür aber „Dunkle Glanzleuchteralgen“ sind die Ausbeute von fünf Tauchern, die sich im Dienst der Wissenschaft in das vom Wind aufgewühlte Wasser des Reichloser Teiches im Vogelsberg begaben.

Reichlos - Tauchen ist ein teures Hobby. Noch dazu eines, das in Hessen nur mit einer Erlaubnis für das jeweilige Gewässer ausgeübt werden darf. Andere Bundesländer sind da nicht so streng. Also versuchen viele Taucher, aus der Not eine Tugend zu machen. Einige von ihnen haben sich zu der Gruppe „NABU – Taucher für Naturschutz“ zusammengeschlossen.

Einer von ihnen ist der in Schlitz lebende Biologe Thomas Gregor, der auch Vorsitzender der Botanischen Vereinigung für Naturschutz in Hessen ist. Zusammen mit vier Kollegen aus Gießen und Marburg kam er jetzt in den Freiensteinauer Ortsteil. Das Ziel im Auftrag des Hessischen Landesamtes für Landwirtschaft, Natur, Umwelt und Geologie (HLNUG): Feststellen, welche Wasserpflanzen auf dem Boden des Teiches zu finden sind. Dabei geht es um eine Kartierung von geschützten Arten, auch als eine Grundlage für die Rote Liste von gefährdeten Arten. Die EU-Richtlinie zu geschützten Biotopen spielt ebenfalls eine Rolle.

Vogelsberg: Für die Wissenschaft - Taucher suchen im Teich nach Pflanzen

Der Reichloser Teich – unter dieser Bezeichnung ist er allgemein bekannt, wenngleich er in der Gemarkung Gunzenau (Vogelsberg) liegt – gilt als nährstoffarmes Gewässer, was nach Ansicht Gregors in erster Linie an seiner vorwiegend aus Wald bestehenden Umgebung liegen dürfte. Zudem war das Wasser 2018 den gesamten Sommer über abgelassen worden, um Reparaturarbeiten am Damm vornehmen zu können.

Die Besonderheit für den Biologen ist aber die Höhenlage im Mittelgebirge bei knapp 500 Metern: „Der Bewuchs mit Dunklen Glanzleuchteralgen und fünf weiteren Arten an Wasserpflanzen ist im Mittelgebirge eine große Seltenheit. Für den Strandling ist Reichlos seit Jahrzehnten der einzige Standort in Hessen.“

Die fünf Taucher dürfte es etwas Überwindung gekostet haben, in das Wasser zu steigen. Der Grund ist weniger in der nicht gerade sommerlichen Lufttemperatur von etwa 15 Grad zu sehen – schließlich halten die Neoprenanzüge einigermaßen warm. Vielmehr machte ihnen der Wind zu schaffen. (Lesen Sie hier: Mehr Schildkröten in Schlitz - Auswilderung an der Fulda)

Gregor: „Wir waren vielleicht eine halbe oder dreiviertel Stunde im Wasser. Wir haben mehr oder weniger nur erfühlen können, wo Pflanzen sind. Der Wind hatte zahlreiche Sedimente aufgewirbelt, sodass kaum etwas zu sehen war.“ Der Schlitzer stellte jedoch fest, dass der „Bewuchs deutlich geringer als im Frühjahr“ gewesen sei. Eine solche Entwicklung sei relativ normal. Durch die höheren Wassertemperaturen im Sommer lasse die Wasserqualität nach.

Tauchen für den Naturschutz: Kartierung von geschützten Pflanzenarten

Mehr noch als für den Reichloser Teich gilt dies für den Ober-Mooser Teich, der ebenfalls Naturschutzgebiet und im Eigentum der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe ist. Dort unternahm die Gruppe ebenfalls einen Tauchgang. Allerdings nicht im großen Teich, sondern im kleineren Mittelteich. Gregor: „Die Sicht war dort ähnlich. Wir konnten keinerlei Wasserpflanzen feststellen. Vor etwa zehn Jahren bei einem Tauchgang war das noch ganz anders.“

Der Ober-Mooser Teich ist deutlich größer als sein Pendant einige Kilometer entfernt – und er gilt als nährstoffreich. Das liegt aus Sicht des Biologen zum einen an der landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen oberhalb des Teiches. Zum anderen seien es die zahlreichen dort rastenden Vögel, die für einen erheblichen Nährstoffeintrag sorgten.

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