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Ein drittes Dürrejahr in Folge könnte sich für Landwirte zu einem großen Problem entwickeln.

Bericht zeigt prekäre Lage

Vogelsberger Landwirte in Sorge vor drittem Dürresommer

Die Landwirte im Vogelsbergkreis beobachten schon jetzt die ersten Zeichen von Trockenheit. Die Sorge steigt, dass es in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge einen Dürresommer geben wird.

Vogelsbergkreis - „Die beiden trockenen Sommer 2018 und 2019 wirken noch nach und auch in diesem Frühjahr fehlt erneut der Regen. Schon jetzt wächst bei unseren Landwirten im Vogelsbergkreis die Angst vor einem dritten Dürresommer in Folge“, sagt Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak, nachdem er den „Situationsbericht zur Trockenheit in der Landwirtschaft“ zur Kenntnis genommen hat. Das meldet der Vogelsbergkreis in einer Pressemitteilung. Es sei zu befürchten, dass es in einzelnen Regionen zu Ernteeinbußen beim Getreide kommt, außerdem fehlt der Regen vor allem dem Grünland.

Wasserentnahmeverbot kommt

„Gerade in den höheren Lagen des Vogelsbergkreises ist kaum Futter vorhanden, die Wiesen sind durch die Trockenheit von Mitte März bis Ende April stark in Mitleidenschaft gezogen, es gibt vielerorts – vor allem in den Hanglagen – bereits Strukturschäden“, schildert Mischak als Dezernent für Landwirtschaft. Er kündigt an, dass es aufgrund der Trockenheit wieder ein Wasserentnahmeverbot geben wird. Die Wasserentnahme aus Bäche, Flüssen und Seen wird – wie schon in den beiden Vorjahren – dann erneut untersagt.

Als „sehr schlecht“ bezeichnet Mischak zudem die allgemeine Stimmung in der Landwirtschaft, da die Milch- und Fleischpreise derzeit fallen. „Immer mehr Betriebe wollen aufgeben. Darunter auch Milchviehbetriebe, da sie keine Perspektiven mehr sehen.“

Trockenheit zeigt sich schon

Schon jetzt wirkt sich die Trockenheit beim Wintergetreide aus. Im Bereich Gemünden etwa hätten die Bestände erst unter dem langen Regen gelitten, dann unter der Trockenheit. Die Böden seien extrem verkrustet. „Der Roggen ist nicht genügend gewachsen, sonst steht er in dieser Zeit etwa 30 bis 40 Zentimeter höher“, heißt es. In der Schlitzer Gegend hingegen stehe die Gerste schlecht da, sie schiebe – zwei Wochen früher als üblich - bereits Grannenspitzen.

Ackerbohnen zu 30 Prozent vertrocknet

„Bei Sommergetreide und Leguminosen ist, ebenfalls in Gemünden, die Hälfte noch gar nicht aufgegangen, die Ackerbohnen sind zu 30 Prozent vertrocknet“, erklärt der Landkreis. Beim Ackerfutter werde teilweise verzögertes Wachstum beobachtet, es gebe Sommerungen, die seien gut aufgelaufen, allerdings benötigen sie Wasser. „Vermutlich wird dieses Jahr vermehrt Ganzpflanzen-Silage von Roggen und Gerste gemacht, um dem Grundfuttermangel vorzubeugen“, schätzt Dr. Mischak.

Einbußen von 20 bis 30 Prozent

„Denn: Dem Gras auf den Wiesen fehlt das Wasser, Ertragseinbußen von 20 bis 30 Prozent werden erwartet, in manchen Regionen sogar noch mehr“, schreibt der Kreis. Gerade im hohen Vogelsberg sei die Entwicklung „mäßig bis schlecht“. Dort werden schon jetzt Flächen beweidet, die eigentlich für die Mahd vorgesehen waren. Auch aus Kirtorf meldet eine Landwirtin, dass die Wiesen zu trocken und zu staubig sind. Eigentlich wären ihre Tiere längst draußen auf den Weiden, jetzt treibt sie sie nur nachmittags für ein paar Stunden raus, weil nicht genügend Futter vorhanden ist.

Kaum Vorräte wegen Hitze in den Vorjahren

Das Fazit für das Grünland in den höheren Lagen des Vogelsberges lautet laut Kreis: Der Winter 2019/20 war zwar gut nass und konnte viel von den beiden trockenen Sommern 2018 und 2019 kompensieren. Aber dennoch regnet es aktuell zu selten, um einen guten Bestand für die Grundfutterversorgung zu gewährleisten und den Weidegang der Milchvieh- und Mutterkuhherden in den Betrieben zu ermöglichen.

„Erschwerend kommt in dieser Situation hinzu, dass in den Futterbaubetrieben aufgrund der beiden trockenen Sommer in den Vorjahren kaum noch Vorräte vorhanden sind“, sagt Dr. Mischak.

lea

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