Abstand und Nähe auf dem Quecker Sportplatz.
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Abstand und Nähe auf dem Quecker Sportplatz.

Einziger im Schlitzerland

140 Besucher feiern unter Flutlicht auf dem Fußballplatz einen Open-air-Weihnachtsgottesdienst

Nachdem alle Kirchengemeinden des Schlitzerlandes wegen der Coronapandemie ihre Gottesdienste an den Weihnachtstagen abgesagt hatten, verblieb der Heiligabend-Gottesdienst auf dem Sportplatz Schlitz-Queck als einziger Gottesdienst im Schlitzerland.

Schlitz - Bereits im Oktober war in den Kirchenvorständen der Pfarrei Queck die Entscheidung gefallen, den Gottesdienst am Heiligen Abend auf dem Quecker Sportplatz als Open-air-Gottesdienst zu feiern. Die Kirchenvorstände hatten ein umfangreiches und detailliertes Hygienekonzept erstellt und dieses beim Ordnungsamt der Stadt und dem Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises zur Genehmigung eingereicht.

Als dann vor Weihnachten die Infektionszahlen stiegen, blieb man in der Pfarrei Queck trotzdem bei dem gefassten Beschluss. Der Sportplatz mit seinen 4500 qm Fläche würde unter strenger Einhaltung der Abstandsregeln 900 Gottesdienstbesuchern ausreichend Platz gewähren. Zugang und Abgang zum Platz waren nur durch drei Öffnungen möglich. Dort stand Desinfektionsmittel bereit, die Kontaktdaten wurden erfasst und auf das Tragen von Mund- und Nasenbedeckung hingewiesen. 

Am Heiligen Abend erhellten zunächst die großen Scheinwerfer den Sportplatz. 140 Gottesdienstbesucher sammelten sich nach und nach und verteilten sich auf dem Platz. Da sich einige Bläser des Posaunenchores der Pfarrei in Quarantäne befinden, musste Ersatz gesucht werden. Aus der Konserve spielten Bayrische Blechbläser und das Brass Ensemble der Semperoper in Dresden eröffnete mit „Tochter Zion“ den Gottesdienst. Die schönen weihnachtlichen Choräle durften nicht gesungen werden, konnten aber auf den Gottesdienstblättern mitgelesen werden. 

Gemeindepfarrer Pierre Bouvain las die Weihnachtsgeschichte nach dem Lukas-Evangelium. Als es dort hieß, dass sich auch Joseph aus Nazareth zusammen mit seiner Frau Maria aufmachte, um nach Bethlehem zu ziehen, kamen zwei Kinder in Kostümen zum Stall: Maria und Joseph. Joseph sagte, dass sie im Dorf keine Unterkunft mehr gefunden hätten. Und Maria wies darauf hin, dass Abinadab, der Wirt ihnen erlaubt habe in seinem Stall zu übernachten. Von Abinadab und anderen Menschen, die der Evangelist Lukas „vergessen“ hat, erzählt der Gemeindepfarrer sonst am Heiligen Abend seine Geschichten. 

Maria und Joseph bezogen den Stall, der aus einem der Fußballtore hergerichtet und vom Kirchenvorstand geschmückt worden war. Die beiden Kinder (Lina und Enni) nahmen auf Strohballen Platz und als es hieß, dass das Kind geboren sei, stellten die beiden die Figur des Krippenkindes aus der Quecker Kirche vor sich. 

Nach dem Verlesen der Weihnachtsgeschichte stellten Kirchenvorstandsmitglieder Kerzen, die am Licht in der Krippe entzündet worden waren, dezentral auf dem Sportplatz ab und jeder Gottesdienstbesucher holte sich ein solches Licht. Dann wurden die Scheinwerfer gelöscht und die Gottesdienstgemeinde stand im Dunkeln, das nur von den kleinen flackernden Kerzen in den Händen durchdrungen wurde. Diese Situation rührte die Gottesdienstbesucher emotional sehr tief an.

Pfarrer Bouvain knüpfte in seiner Predigt daran an. Er sagte: „Die Welt ist dunkler geworden! Zu schaffen macht uns aber nicht die äußere Dunkelheit, die wir mit elektrischem Licht erhellen können. Es ist die innere Dunkelheit, die uns zu schaffen macht.“ Hass und Verunglimpfung bestimmten die Sprache unserer Zeit. Die Angst vor der Infektion durch das Virus verfinstert unser Denken und Handeln. Und die Frage danach, wie Gott zu uns steht, legt sich finster auf unsere Seele. An diesem Weihnachten ist nichts so, wie wir es erhofft und erwartet haben.

„Aber es gibt Licht. Licht, das nicht von uns selbst oder aus uns selbst herauskommt, sondern Licht aus der Krippe. Das Licht hat, wie die Lichteraktion auf dem Sportplatz deutlich machte, seinen Ursprung in dem Kind in der Krippe. Gott selbst ist zu uns Menschen gekommen mit seiner Liebe und Gnade. Das verbürgt das „Christuskind“. Wir sind nicht allein. Gott ist mit uns bleibt bei uns.“

Mit dem Lied „Stille Nacht“, das leider auch nur gehört und nicht gesungen werden konnte, schloss der Gottesdienst und die Strahler erleuchteten wieder den Heimweg. Ein Gottesdienstbesucher sagte beim Weggehen: „Vielleicht war das gerade ein wirklich historischer Moment. Noch nie haben wir den Heiligabendgottesdienst auf dem Sportplatz gefeiert. Wenn nach Weihnachten die Impfungen beginnen, sind wir das Virus bis zum nächsten Weihnachtsfest los und können wieder in den Kirchen feiern.“ (pb)

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