Die beiden Verhandlungskommissionen mit (sitzend) SPD-Unterbezirksvorsitzenden Patrick Krug (links) und CDU-Vorsitzenden Dr. Jens Mischak.
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Die beiden Verhandlungskommissionen mit (sitzend) SPD-Unterbezirksvorsitzenden Patrick Krug (links) und CDU-Vorsitzenden Dr. Jens Mischak.

Zusammenarbeit

Ansprechpartner für Sport und Ehrenamt: CDU und SPD stellen Koalitionsvertrag im Vogelsbergkreis vor

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Vogelsberg – modern und zukunftsfähig, so ist der Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU überschrieben. Die schwarzroten Bündnispartner stellten das mit 40 Seiten recht umfangreich geratene Papier den Medien vor. 

Vogelsbergkreis - Klima und Digitalisierung, Sport und Ehrenamt: auf diese Punkte soll gegenüber der Legislaturperiode 2016 bis 2021 besondere Rücksicht genommen werden. Für Sport- und Bewegungskoordination und Ehrenamt sollen im Landratsamt zwei Stabsstellen eingerichtet werden, die als direkte Anlaufstellen für Fragen zu diesen Themen dienen sollen.

Wie die beiden Kreisvorsitzenden Dr. Jens Mischak (CDU) und Patrick Krug (SPD) berichteten, hatten sie vor dem Abschluss des Vertrages auch mit den anderen im Kreistag vertretenen Fraktionen sondiert. Für die CDU wäre auch eine Zusammenarbeit mit den Freien Wählern und der FDP drin gewesen, aber die Christdemokraten fanden bald, dass es kein Vorteil sei, gegen SPD-Landrat Manfred Görig zu agieren, zumal die Zusammenarbeit ausweislich der Pressekonferenz im Lauterbacher Posthotel Johannesberg reibungslos funktioniert. „Wir haben uns schnell für eine Zusammenarbeit mit der SPD entschieden“, berichtete Mischak. Der CDU-Vorstand hatte den Vertrag dann einstimmig genehmigt, und auch in der SPD gab es ausweislich der Angaben von Krug keinen nennenswerten Widerstand.

Vogelsbergkreis: CDU und SPD stellen Koalitionsvertrag vor - Ansprechpartner für Sport und Ehrenamt

Mischak betonte den Anspruch, den Vogelsberg auch für Neubürger attraktiver zu machen, „viele Leute in den Ballungsgebieten sehnen sich nach einem Leben im ländlichen Raum“. An der Erfüllung dieser Wünsche wurde gefeilt, wie Krug andeutete: „Wir bleiben nicht im Abstrakten stehen und verlieren uns nicht im Kleinklein.“ Beim Thema Wirtschaft habe es keinen Dissens mit der SPD gegeben, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Stephan Paule, einer der Verhandlungsführer auf Unionsseite. Zu schaffen mache dem Kreis laut Koalitionsvertrag mittlerweile der Fachkräftemangel. 2024 drohe eine Lücke von 6000 stellen, die im Kreis nicht adäquat besetzt werden könnten. Ein Schwerpunkt soll nun auf Ausbildung in den Betrieben gelegt werden. (Lesen Sie hier: Blühstreifen in Schlitz und Umgebung angelegt: Insgesamt rund 4.500 Hektar in Hessen).

Wie Paule bemerkte, sollen besonders die Verkehrsachsen im Kreis gestärkt werden, wobei auch der Bau der Ortsumgehung B254 um Angersbach herum und der Weiterbau der A49 laut Koalitionsvertrag eine entscheidende Rolle spielen solle. Als strategisch betrachtete Paule die unmittelbare Anbindung des Vogelsbergkreises an das Rhein-Main-Gebiet durch eine ununterbrochene Bahnverbindung.

Jens Mischak: Wir haben uns schnell für eine Zusammenarbeit mit der SPD entschieden

Krug sprach sich für den Erhalt aller Schulstandorte im Kreis aus. Nach dem Neubau der IGS in Schlitz stünde die Gesamtschule in Mücke als neues Erneuerungsprojekt auf dem Plan. Auch die Berufsschulen in Lauterbach und Alsfeld sollten gestärkt werden. Als erfreulich wertete Mischak den Ausbau der ambulanten medizinischen Versorgung im Vogelsberg. Medizinische Versorgungszentren böten jungen Ärztinnen und Ärzten vor Ort auch familienfreundliche Arbeitszeiten und nicht zuletzt einen attraktiven Berufseinstieg. Ein dicker Brocken, der den Kreis noch etliche Jahre begleiten werde, ist der Neubau des Kreiskrankenhauses.

„Klima- und Umweltschutz ist im Vogelsberg gelebter Alltag“, schnitt Krug ein weiteres Thema an. Neben einem Klimaschutzmanager in der Kreisverwaltung, der sich unter anderem um den CO2-Ausstoß der kreiseigenen Gebäude kümmern soll; wichtig sei auch der Grundwasserschutz. Hier merkte Susanne Schaab als Mitglied der SPD-Verhandlungskommission an, dass man in diesen Fragen jetzt aktiv werde, statt gegenüber der Rhein-Main-Region als Bittsteller auszutreten.

Patrick Krug: Klima- und Umweltschutz ist im Vogelsberg gelebter Alltag

Personell wird sich wenig ändern: der Kreistagsvorsitzende soll wie bisher Dr. Hans Heuser (CDU) bleiben, als Seniorenbeauftragter wird nach der CDU-Politikerin Rosemarie Müller der Parteifreund und ehemalige Landtagsabgeordnete Kurt Wiegel ins Rennen gehen. Die Frauenbeauftragte stellt weiterhin die SPD: über die personelle Besetzung des Amtes gab es keine Auskunft. Der Koalitionsvertrag sieht auch vor, dass der Erste Kreisbeigeordnete, also Jens Mischak, 2022 im Amt bestätigt werden soll. 2023 soll im Gleichklang mit der Landtagswahl auch der Landrat neu gewählt werden. Ob es hier wieder, wie offenbar seinerzeit eher ungeplant, einen gemeinsamen Kandidaten der Kreiskoalition geben wird, steht noch nicht fest.

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