Der Streuobstanbau zählt seit diesem Jahr zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands.
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Der Streuobstanbau zählt seit diesem Jahr zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands.

Schädling noch kein Thema

Förderung für Streuobstwiesen im Vogelsbergkreis: Anträge können beim Kreisausschuss gestellt werden

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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Streuobstwiesen sind ein Charakteristikum für den Vogelsbergkreis. Auch im Schlitzerland findet man sie in großer Anzahl. Die Warnung vor einem neuen Schädling, der Apfelbaum-Gespinstmotte, lässt jetzt aufhorchen. 

Schlitz - Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) berichtet, dass das kleine Insekt auch in Mittelhessen auf dem Vormarsch ist, die Wetterau schon erreicht hat und vermutlich bald die Region rund um Gießen befallen wird.

Im Schlitzerland im Kreis Vogelsberg kann man aber derzeit noch gelassen bleiben. Marvin Swoboda, bei der Stadtverwaltung Ansprechpartner für Streuobstwiesen, ist jedenfalls noch kein Auftreten des Schadinsektes rund um die Burgenstadt bekannt. Neben einer Reihe kleinere Flächen, die im Privatbesitz sind, befinden sich in Schlitz laut städtischer Homepage eine Streuobstwiese unter anderem neben dem Aussichtspunkt bzw. Hochbehälter auf der „Quebst“.

Vogelsberg: Auf den Streuobstwiesen ist noch kein Schadinsekt bekannt

Die Bedeutung dieses Ökosystems hat auch das Land und das das Regierungspräsidium Gießen erkannt, das dem Vogelsbergkreis wieder Fördermittel aus der Hessischen Biodiversitätsstrategie zur Stärkung der heimischen Biodiversität zur Verfügung stellt.

Dies teilt die Untere Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises in einer Pressemitteilung mit. Mit dieser Unterstützung können die Lücken in bestehenden Streuobstbeständen und Obstbaumalleen gefüllt und die Neuanpflanzung von hochstämmigen Obst- und Nussbaum-Flächen im Außenbereich gefördert werden. (Lesen Sie hier: Insektenschutzprojekt im Vogelsberg: 13 Städte und Gemeinden beteiligen sich)

Die Streuobstwiesen im Kreis Vogelsberg werden gefördert

Streuobstwiesen gehören nach Angaben der Unteren Naturschutzbehörde zu den artenreichsten Biotopen ganz Mitteleuropas und haben eine hohe Bedeutung für die heimische Biodiversität. Sie sind vom Menschen geschaffene Kulturlandschaften, in denen hochstämmige Bäume unterschiedlichen Alters verstreut in der Landschaft stehen und aus unterschiedlichen Arten bestehen, wie Äpfel, Birnen, Kirschen, Mirabellen, Pflaumen, Speierlinge und Walnüssen.

Oft handelt es sich bei diesen Arten um alte Obstsorten. Die sind nicht nur weniger anfällig für Krankheiten, Schädlinge und Klimaveränderungen, sondern sind auch für Allergiker meist verträglicher als neue Obstsorten.

Streuobstwiesen

Streuobstwiesen sind Hotspots der Biodiversität und ein prägender Teil der Kulturlandschaft. Bei dieser speziellen Anbauform wird Obst mit umweltverträglichen Bewirtschaftungsmethoden auf hochstämmigen Baumformen erzeugt. Im Gegensatz zu niederstämmigen Plantagen stehen die Bäume dabei oft „verstreut“ in der Landschaft. 

Streuobstwiesen sind nicht nur ein Lieferant für heimische Nahrung in Bio-Qualität. Sie entwickeln sich zudem zu einer Oase für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, weil auf Düngung und Pestizide verzichtet wird, weil die Flächen nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden und weil sie durch eine Beweidung mit Schafen schonend und umweltverträglich bewirtschaftet werden. Charakterarten auf der Streuobstwiese sind zum Beispiel Wendehals, Steinkauz, Gartenrotschwanz, Gartenbaumläufer und Grünspecht.

Die jetzt vom Regierungspräsidium bereitgestellten Fördermittel können Eigentümer und Bewirtschafter von Streuobstbeständen, Obstbaumalleen sowie von Flächen, die für die Neuanlage einer Streuobstwiese geeignet sind, beantragen. Durch das Förderprogramm wird die Neuanpflanzung von hochstämmigen Obst- und Nussbäumen, wie Apfel-, Birnen-, Kirsch-, Zwetschgen-, Mirabellen-, Quitten-, Reneklode-, Speierling-, Walnuss-, Mis-pel-, Elsbeer- oder Esskastanienbäumen, möglichst heimische alte Sorten, im Außenbereich bezuschusst.

Auf der Quebst gibt es in Schlitz eine schöne Streuobstwiese.

Eine Förderung in Hausgärten innerhalb von bebauten Gebieten ist nicht möglich. Je gepflanztem Hochstamm erhält der Antragssteller einen maximalen Zuschuss in Höhe von 50 Euro. Pro Antragssteller werden mindestens 5 bis maximal 20 Hochstämme pro Jahr bezuschusst.

Formlose Anträge können ab sofort beim Kreisausschuss des Vogelsbergkreises, Amt für Bauen und Umwelt, Untere Naturschutzbehörde gestellt werden. Ansprechpartnerin für dieses Projekt ist Ann-Katrin Müller, ann-katrin.mueller@vogelsbergkreis.de. Die Förderrichtlinie finden Interessierte auf der Homepage des Vogelsbergkreises www.vogelsbergkreis.de unter der Rubrik Naturschutz/Projekte.

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