Der Vogelsberg fällt im Demografie-Bericht für Hessen auf.
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Der Vogelsberg fällt im Demografie-Bericht für Hessen auf.

Kontrast zu Frankfurt

Vogelsbergkreis sticht heraus: Auf der Suche nach dem Durchschnitts-Hessen

Die Staatskanzlei hat auf 100 Seiten Statistiken über Hessen zusammengetragen. Die Datensammlung zeigt, dass es im Bundesland starke Gegensätze gibt: Dabei stechen der Vogelsbergkreis und Frankfurt besonders heraus.

Wiesbaden/Vogelsbergkreis - Welche Schuhgröße er hat, wissen wir nicht, aber wie viel er verdient, wie viel Miete er zahlt, wie groß seine Wohnung ist, ob er Kinder hat oder alleine lebt, ob er arbeitslos ist oder pendelt. Viele Fakten über den Durchschnitts-Hessen sind jetzt nicht nur schwarz auf weiß, sondern in farbigen Diagrammen nachzulesen. Die Publikation „Demografie in Hessen auf einen Blick“ ist über 100 Seiten dick.

Hessen sei „in vielen Bereichen seht gut aufgestellt“, sagt Axel Wintermeyer, Chef der Staatskanzlei und Demografie-Beauftragter der Landesregierung. Aus den Daten werde aber auch deutlich, welche Themenfelder man angehen müsse. Ein Punkt dabei ist sicher der starke Gegensatz zwischen Stadt und Land.

Vogelsbergkreis sticht heraus: Auf der Suche nach dem Durchschnitts-Hessen

Zunächst: Wir Hessen werden mehr. Seit dem Mauerfall wächst die Bevölkerung, nach einer Delle vor etwa zehn Jahren steigt die Kurve nun wieder an. An unserer Fruchtbarkeit liegt das nicht: Jahr für Jahr sterben mehr Hessen, als neu geboren werden. Den nötigen Ausgleich schafft nur Zuwanderung. Die läuft in großen Wellen - zuletzt zeigte der Pfeil eher wieder nach unten. Südhessen wächst mehr als Mittel- und Nordhessen, vor allem in den Städten.

Der Hesse wie auch die Hessin werden immer älter. 2050 könnte es doppelt so viele über 80-Jährige geben wie heute. 2017 war der Durchschnitts-Bewohner knapp 44 Jahre alt, in 30 Jahren wird er knapp 50 sein - wenn er im Vogelsbergkreis wohnt, sogar 53 Jahre. Die Städte hingegen bleiben Horte der Jugend - und des Gedränges. Frankfurt ist aktuell 40 mal so dicht besiedelt wie der Vogelsbergkreis.

Auch in vielen anderen Lebensbereichen herrscht der größte Gegensatz zwischen der Stadt Frankfurt und dem Vogelsbergkreis. Beispiel Wohnungsgröße: Die Durchschnitts-Frankfurterin hat 73 Quadratmeter zur Verfügung, der Vogelsberger 105. In Frankfurt kostete die Kaltmiete Quadratmeter vergangenes Jahr 14 Euro, in Osthessen unter 7 Euro. Nur 18 Prozent der Frankfurter wohnen im Eigentum, aber 57 Prozent der Menschen im Vogelsbergkreis. Der Durchschnitts-Hessen zahlt 7,60 Euro kalt pro Quadratmeter, das sind 28 Prozent seines Einkommens.

57 Prozent der Menschen im Vogelsbergkreis leben im Eigentum

2019 verdiente der vollzeitbeschäftigte Hesse 3535 Euro brutto im Monat. Jeder zehnte fährt über 50 Kilometer zur Arbeit, am weitesten pendeln die Mittelhessen. Vielleicht etwas überraschend: Auf dem Land sind weniger Menschen arbeitslos als in den Metropolen, am höchsten ist die Quote in Kassel und Offenbach.

Die Hessin wohnt immer häufiger allein. Nur in der Hälfte aller Haushalte leben Kinder. In der zweiten Lebenshälfte ist man auf dem Land häufiger allein - wenn man jung ist, in den Städten. Dreiviertel der Haushalte sind Paare mit Kindern, dazu kommen sieben Prozent Alleinerziehende. In der kinderlosen Hälfte der Bevölkerung waren 2017 kinderlose Paare (28 Prozent) etwas stärker vertreten als Alleinstehende (22 Prozent). (dpa)

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