Angstmacherei oder Verschlechterung der Werte? Sind Schlitz und Fulda wirklich mit zu viel Nitrat belastet? Im Bild die Schlitz am Damenweg. Foto: Hans-Peter Saurwein

VSR-Gewässerschutz führt Messungen an Schlitz und Fulda durch

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Geldern - Wie der VSR-Gewässerschutz e.V. erst jetzt in einer Pressemitteilung meldet, haben Messungen des Vereins an Fulda und Schlitz im April vergangenen Jahres hohe Nitratwerte ergeben. Der VSR sieht daher die Gefahr, dass an Fulda und Schlitz die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) nicht erreicht werden.

Die WRRL

Durch den Erlass der europäischen Wasserrahmenrichtlinien im Jahr 2000, will die Europäische Union viele kleine, regionale Richtlinien ablösen, um so eine Bündelung und Harmonisierung wasserwirtschaftlichen Handelns zu erreichen. Diese neue WRRL soll den Ordnungsrahmen für eine gemeinsame, europäischen Wasserwirtschaft bilden.

Ziel ist es, bis zum Jahr 2015 einen guten Gewässerzustand für Oberflächenwasser (einschl. Küstengewässer) und Grundwasser zu erreichen. Beides soll qualitativ und quantitativ geschützt werden, um bis zum Zieljahr einen guten chemischen und mengenmäßigen Zustand zu erreichen.

Die Umsetzung der Richtlinien

Umgesetzt werden soll dies über die verschiedenen nationalen Ebenen bis in den kleinsten Flächenraum, in diesem Fall "Maßnahmenraum Schlitz" genannt. In Hessen erfolgte dies in den letzten Jahren durch eine flächendeckende Bestandsaufnahme im ersten Schritt. Im zweiten Schritt wurden Maßnahmenprogramme und ein Bewirtschaftungsplan erarbeitet. Der dritte Schritt sieht seit 2010 deren Umsetzung vor Ort vor. Die "Maßnahmenräume", die als Pilotprojekte ausgewählt wurden, wurden vom Regierungspräsidium Mittelhessen vorgeschlagen. Das sind Landschaftsräume, von denen eine Gefährdung der Zielerreichung ausgehen kann. In diesen Gebieten sollen Maßnahmen zur Reduzierung der landwirtschaftlich bedingten Stickstoffeinträge in das Grundwasser und Phosphoreinträge in das Oberflächenwasser ergriffen werden.

Zu diesem Zweck schloss die Stadt Schlitz mit dem RP Mittelhessen in Gießen im Frühjahr 2012 einen entsprechenden Vertrag. Danach wurden im Schlitzerland Leitbetriebe für entsprechende Schulungen gesucht und 125 Flächen, auf denen Messungen durchgeführt werden können.

Die gemessenen Werte

Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) darf das Fuldawasser, um einen guten Zustand zu erreichen, höchstens 11 mg/Liter Nitrat aufweisen, so der VSR. Dieser Wert wird an der Fulda aber schon im oberen Teil bei Welkers überschritten. Während die Fulda bei Gersfeld noch einen Nitratwert von 5,3 mg/l aufweist, sind es bei Welkers bereits 14,7 mg/l. Mit zunehmender Talbreite – und somit auch verstärkter ackerbaulicher Nutzung – steigt die Nitratkonzentration an. Bei Pfordt hat sie bereits einen Wert von 17,1 mg/l erreicht. Mit dem Zufluss der Schlitz mit ihren 17,9 mg/l hat sich der Wert nicht verbessert. So konnten die Fachleute vom VSR-Gewässerschutz in Niederaula an der Fulda einen Wert von 17,6 mg/l messen.

Woher kommen die hohen Werte?

Die Belastungen aus kommunalen Klärwerken und Direkteinleitungen der Industrie tragen hier nicht mehr so viel dazu bei. Der Ausbau kommunaler Kläranlagen mit besserer Technik bei der Abwasserreinigung sorgten dafür, Schadstoffemissionen aus diesen Punktquellen zu verringern. Die VSR sieht hier in erster Linie die landwirtschaftlich genutzten Flächen als Verursacher. Zwei Drittel der Nitratbelastung kommen ihrer Meinung nach aus dem hinzu sickernden Grundwasser.

Dies ist geomorphologisch durch die Hang- und Tallagen in Rhön und Schlitzerland bedingt. Ein anderer Grund ist auch die Art und der Zeitpunkt der Messung. So hat der VSR in der Pressemitteilung nichts über sein Messverfahren veröffentlicht. Auch der Zeitpunkt der Messung ist wichtig, gibt der Schlitzer Ortslandwirt Thomas Siepl zu bedenken. Eine Messung im Frühjahr, kurz nach Düngung der Ackerflächen, führt logischerweise immer zu höheren Werten. Die Schlitzerländer Landwirte sind, so Siepl, informiert und werden seit 2012 vom Ingenieurbüro "Schnittstelle Boden" in Ober-Mörlen betreut. Dieses gibt entsprechende Beratungsrundbriefe heraus. In dem letzten vom Januar 2014 werden die Messergebnisse der Proben vom 14.-18. Dezember 2013 bekannt gegeben. Ein Rest-Stickstoff-Gehalt in den Ackerböden von unter 40-45 kg N/ha wird dabei als unproblematisch für den Grundwasserschutz angesehen. Im Mittel wurden im Schlitzerland 22 kg N/ha gemessen. 26 kg N/ha war der höchste Wert, der auf Körnerraps-Flächen ermittelt wurde.

Das Regierungspräsidium Gießen bestätigte diese Bodenmessungen, die im Rahmen des Vertrags mit der Stadt Schlitz durchgeführt werden. Wasserproben werden allerdings vom RP nicht genommen. Hier liegt die Zuständigkeit beim Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). Vom HLUG liegen jedoch derzeit keine aktuellen Messergebnisse vor. Die letzten Messungen stammen aus dem Jahr 2012 und weisen an der Messstelle in Hutzdorf, kurz vor der Mündung der Schlitz in die Fulda, einen Ammonium-Nitratgehalt zwischen 0,02 mg/l (Januar) und 0,38 mg/l (Mai) aus. Die Gesamt-Stickstoffmenge lag an der selben Messstelle zwischen 2 mg/l (August) und 5,8 mg/l im Februar.

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