Noch nicht aufgearbeitete Schäden aus dem Sommersturm 2013 im Kühnholz. Foto: grau

Waldbestände werden von Katastrophen heimgesucht

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Vogelsbergkreis - Eine reibungslose Abwicklung bei der Bestellung und Auslieferung der Pflanzen für die Wiederaufforstung im Privatwald der Forstbetriebsvereinigung (FBV) Ulrichstein bescheinigte Vorsitzender Gerhard Lipp der Darmstädter Forstbaumschule.

Die Pflanzen seien in einem sehr guten Zustand gewesen. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung im Landgasthof Groh erinnerte er an eine regelmäßige Jungbestandspflege, denn durch den vielen Windwurf der vergangenen Jahre würden Wicke und Brombeere verstärkt auftreten. Durch das Ausmähen in der Zeit von Juli bis August könnten sich die Pflanzen gut entwickeln. Weitere Themen in seinen Ausführungen waren die Pflanzenbestellung und die Vorlage von Förderbescheiden. Letztere sollten bis spätestens den 1. März beim Forstamt vorliegen. Als letzten Anmeldetermin von Wildschäden an Forstpflanzen nannte der Vorsitzende den 1. Mai bei der jeweiligen Gemeinde.

Ausführlich ging er auf die angebotenen Lehrgänge an der Waldbauernschule ein. Für dieses Jahr stünden sieben Holzernte Lehrgänge Teil I, drei als Aufbaulehrgang, je ein Seilwindenlehrgang und Wartungslehrgang Motorsäge sowie zwei Lehrgänge Kultur und Jungbestandspflege auf dem Programm. Es bestehe ein starke Nachfrage nach diesen Lehrgängen, insbesondere bei den Seilwinden-Lehrgängen. Nach Teilnahme an mehreren Lehrgängen erhielten die Teilnehmer den Waldbauernbrief und könnten dann 20 Prozent Zuschuss für Motorsäge und andere Geräte sowie 40 Prozent Zuschuss für Schutzkleidung und Körperschutz erhalten. Der Zuschuss müsse über die Forstbetriebsgemeinschaft "Westlicher Vogelsberg" beantragt werden. Den Mitgliederstand bezifferte der Vorsitzende mit 66 die insgesamt 110 Hektar Wald hätten.

Uwe Prihoda von Hessenforst Schotten informierte über die allgemeine Holzabsatzlage und riet den Kleinprivatwaldbesitzern gerade bei der Holzernte gemeinsam zu arbeiten, um einen besseren Gewinn einzufahren. Aktionen sollten bereits mit einem Jahr Vorlauf geplant werden. Als idealen Einschlagzeitraum für die Fichte nannte er den Herbst, denn im Winter sei Buchenzeit und im Frühjahr stünden Neupflanzungen sowie Zwangsmaßnahmen aus dem Winter wie Beseitigung von eventuellem Windwurf und Schneebruch an. Er wies dann auf einige Neuerungen bei der Bewirtschaftung hin.

So dürften die Motorsägen nur noch mit Sonderkraftstoff und nicht mehr mit Gemisch benutzt werden. Beim Einsatz von Seilwinden müsse ein Lehrgang nachgewiesen werden. Zur Holzmarktlage betonte er, dass die Rahmenbedingungen weiter gut seien. Es bestehe eine hohe Nachfrage nach Nadelstammholz. Beim Laubstammholz seien Nachfrage und Preise stabil. Die Brennholznachfrage sei weiter anziehend.

Umfangreiche Fachinformationen gab es dann vom Revierleiter Forstamtmann Peter Kraus. Er bezeichnete dabei die Wetterverhältnisse für 2013 als sehr extrem. Nach einem langen Winter habe es ein nasses Frühjahr mit anschließend großer Hitze gegeben. Ab September habe der Regen eingesetzt, der bis Januar 2014 gedauert habe. Mitte Juni habe ein Tornado in nur 15 Minuten in einer Breite von fast einem Kilometer vom "Rabenstück"/Ulrichstein bis zum "Totenköppel"/Meiches alles weggefegt. Die extrem hohen Windgeschwindigkeiten hätten zu umfangreichen Bruch- und Splitterschäden an den Baumstämmen geführt und boten einen Anblick, der an durch Artilleriebeschuss geschädigte Waldbestände im Verlaufe des 2. Weltkrieges erinnerte. Im Bereich des Forstamtes Schotten seien rund 40.000 Festmeter, davon 20.000 Festmeter in Ulrichstein, betroffen gewesen. Hierbei wurden neben größeren Kulturpflanzen- und Fichtenbeständen auch alte, angrenzende Laubwaldbestände geworfen, die durch ihre Laubmasse dem Orkan eine große Angriffsfläche boten.

Durch den nassen Winter habe sich die Aufarbeitung des Windwurfs stark verzögert. So müssten im Kühnholz noch etwa zwei- bis dreitausend Festmeter aufgearbeitet und eintausend Festmeter abgefahren werden. "Seit "Kyrill" haben wir jedes Jahr eine Katastrophe gehabt" so Kraus abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren