Dr. Eckhard Köhler-Hälbig. Foto: la

Werben um Beteiligung am schnellen Internet

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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LAUTERBACH - Zum Vortrag über den geplanten Breitbandausbau im Vogelsberg- und Wetteraukreis hatte sich der Lauterbacher Haupt- und Finanzausschuss den Geschäftsführer der Ende des vergangenen Jahres gegründeten "Breitbandbeteiligungsgesellschaft Vogelsbergkreis GmbH", Dr. Eckhard Köhler-Hälbig, eingeladen.

Einmütig war die Information über das Vorhaben von den Lauterbacher Stadtverordneten in der vergangenen Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden. Weniger einmütig war im Dezember die Debatte um eine Beteiligung an der Gesellschaft ausgegangen, die die SPD gewünscht und vergeblich die Bereitstellung von 10 000 Euro im Etat 2014 gefordert hatte.

Eckhard Köhler-Hälbig stellte rund 20 Seiten eines insgesamt 180 Seiten umfassenden Konzeptes vor, das die Firma Athanus Partners im Auftrag des Kreises erstellt hatte. Für die flächendeckende Breitbandversorgung in den 19 Städten und Gemeinden des Vogelsberges sind darin Investitionskosten von rund 25 Millionen Euro errechnet. Fast 500 Kilometer Glasfaser müssen verlegt werden. Die ursprüngliche Konzeption einer eigenen Breitbandgesellschaft im Vogelsbergkreis, die auch den Ausbau der kreisweiten Telekommunikationslösung hätte umsetzen sollen, habe es wegen des zu hohen Risikos nicht gegeben, weshalb eine Lösung mit dem Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe angestrebt worden und auf den Weg gebracht worden sei, so der Referent. Nun gebe es aus "strategischen und Kostengründen" die ZOV-Lösung, also den kreisübergreifenden Ausbau mit Glasfaserkabel. Die Vogelsberger Breitbandgesellschaft wird mit einem Stammkapital von 150 000 Euro ausgestattet. Während der Kreis einen Geschäftsanteil von 30 Prozent dauerhaft halten werde (45 000 Euro), sollen die übrigen 70 Prozent (105 000 Euro) an die Kommunen übertragen werden. Noch in diesem Frühjahr sollen die Städte und Gemeinden ihre notwendigen Gremienbeschlüsse fassen und dann – bei einem gemeinsamen Termin – die Gesellschaftsanteile übernehmen. Für Lauterbach ist bei einer Beteiligung ein Geschäftsanteil von 14 000 Euro vorgesehen.

Köhler-Hälbig stellte zudem fünf mögliche Anbietervarianten vor, bei der die Infrastukturgesellschaft der OVAG durchgängig als Netzbauer auftreten wird. Zwei Modelle davon würden jetzt konkret für eine Umsetzung geprüft. Sicher sei, so Köhler-Hälbig, dass nicht alle Vogelsberger Kommunen bei dem Projekt mitmachten. Wartenberg etwa habe einen Vertrag mit der Telekom geschlossen. "Und Lauterbach ist unsicher", bedauerte er und warb für eine Teilnahme der Kreisstadt.

"Die 14 000 Euro Geschäftsanteile sind kein verlorenes Geld, mit dem Beitritt sind keine Beschlüsse im Hinblick auf den Ausbau verbunden", so Köhler-Hälbig, die Teilnahme biete eine Option auf Planung und Beratung. Die Beschäftigung mit "intelligenten Stromnetzen", wie sie der Gesetzgeber ab etwa 2020 fordere, beschäftigten Lauterbacher Stadtwerke und OVAG, deshalb sei eine Kooperation sinnvoll. Da auch das Regierungspräsidium eng eingebunden sei, dürfte die Mittelbereitstellung kein Problem sein.

Unbeeindruckt ob des Werbens zeigte sich Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller und bot, wie schon in früheren Sitzungen zum Thema, eine technische Zusammenarbeit an. "Wir sind in Lauterbach technisch schon viel weiter als das, was die OVAG bieten kann". Wettbewerb sei auf dem flachen Land nur möglich, wenn am Ende in jedem Haus ein Glasfaserkabel liege. Und das sehe die OVAG-Lösung nicht vor.

Unterstrichen wurden seine Ausführungen von Matthias Ertl von den Lauterbacher Stadtwerken, der zum einen über Initiativen der Stadtwerke und die Verlegung von Leerrohren für Glasfaser bei der Wasserleitungsverlegung im Stadtgebiet informierte und zudem eine Anfrage der SPD zum Thema schnelles Internet beantwortete. Die hatte gewünscht, über den Abdeckungsgrad der Haushalte mit Kabelanschlüssen von Unitymedia informiert zu werden, über weiße Flecken auf der Landkarte und Überlegungen der Stadtwerke, nicht erschlossene Gebiete künftig mit schnellem Internet zu erreichen. Zudem entwarf Ertl ein Zukunftsszenario über das Internet von morgen mit wesentlich höheren Anforderungen seitens der Kunden, deren gesamtes Leben – von der Waschmaschine bis zum Auto und Arbeitsplatz – am Netz hänge. Ein Bedarf, der künftig nur über Glasfaser abzudecken sei, wie er betonte.

Laut Ertl sind zurzeit 6900 Haushalte und damit 96,5 Prozent in Lauterbach über Unitymedia an Kabel angeschlossen, nicht erschließbar sind 70 Haushalte in der Kernstadt, 90 in Maar und 20 in Frischborn, die über zusätzliche Straßenanschlüsse angeschlossen werden könnten, sollten es die Hauseigentümer wünschen und bezahlen. Eine eigene Lösung stellte er für Reuters und Rudlos vor. Hier sei ein Lückenschluss über Wasserleitungsverlegungen ¬möglich, die anstünden, da man möglichen Problemen mit den Brunnen vorsorgen und eine Wasserversorgung dann über ein Leitungsnetz sicherstellen wolle. Für Rudlos erfolge ein Anschluss über eine Leitung vom Hochbehälter Sonnenweg in Lauterbach, für Reuters ein Anschluss an die bereits bis zum Holzwerk verlegte Leitung. Für insgesamt 78 000 Euro seien hier die Tiefbauarbeiten zu stemmen, die Verlegung von Leerrohren, wie sie die Stadtwerke seit Jahren betreiben, sei auch hier ein nützliches Nebenprodukt.

Im Ausschuss seitens von Köhler-Hälbig und der SPD geäußerte Bedenken, wie die Stadtwerke die Leitungsverlegung finanzieren und künftig in Konkurrenz zu Anbietern wie Unitymedia treten wolle, konterte der Bürgermeister. Auch die Breitbandgesellschaft wolle Geld von der Stadt, auch sie werde in Konkurrenz treten müssen.

Die OVAG-Lösung biete 50 Megabit, Unitymedia biete schon jetzt mehr. "Wir sind günstiger als die OVAG. Wir baggern nicht für Glasfaser, sondern für Wasserleitungen. Und wenn Glasfaser in der Zukunft in den Häusern liegt, stehen wir auch in Konkurrenz zu Anbietern, die nur über Kupferkabel verfügen, besser da. Wir verlegen jetzt Leerrohre und wollen künftig Geld verdienen. Wie genau, dafür wird noch ein Konzept zu erarbeiten sein." la

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