Wie groß ist die Windräder-Gefahr für Rotmilan und Co wirklich?
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Wie groß ist die Windräder-Gefahr für Rotmilan und Co wirklich?

Fünf-Jahres-Studie

Sieben Rotmilane wurden im Vogelsberg Opfer von Windrädern – Nabu-Untersuchung zeigt Gefahr für Vögel

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Windräder stehen im Verdacht, zahlreiche Vögel das Leben zu kosten. Doch wie groß ist diese Gefahr für Rotmilan und Co wirklich? Eine Studie aus dem Vogelsberg hilft mit, diese Frage etwas besser beantworten zu können.

  • Eine Studie der Nabu zeigt auf, wie gefährlich Windräder für Rotmilane sind.
  • Im Vogelsberg wurden für eine Fünf-Jahres-Studie drei Gebiete beobachtet.
  • Insgesamt wurden zwischen 2013 und 2017 103 tote Rotmilane registriert - sieben wurden Opfer von Windrädern.

Vogelsberg/Rhön - Dass die Kollision mit Windkraftanlagen für Vögel eine wesentliche Bedrohung darstellen kann, liegt auf der Hand. Insbesondere Greifvögel wie der Rotmilan gelten als gefährdet. Darüber, in welchem Ausmaß das zutrifft, gibt es unterschiedliche Aussagen.

Todesgefahr durch Windräder: So groß ist das Risiko für Vögel wie den Rotmilan

Der Landesvorsitzende des Verbandes Windenergie, Joachim Wierlemann, verweist auf europaweite Forschungen mit besenderten Rotmilanen. Diese zeigten demnach, dass der Verlust an Tieren durch Windräder unter einem Prozent der besenderten Vögel liege.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) betont dagegen, dass Windenergieanlagen dem Rotmilan zu schaffen machen. Auf der Internetseite heißt es dazu unter anderem: „Je mehr Windräder, desto schlechter die Bestandsentwicklung des Rotmilans.“

Weiter heißt es: „Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von 285 Regionen mit Milanvorkommen durch den Dachverband Deutscher Avifaunisten. Die Windindustrie hatte zuletzt immer wieder behauptet, die Windräder hätten keine negativen Auswirkungen.“

Doch wie sieht es in unserer Region aus? Rhön und Vogelsberg gehören zu den Gebieten mit großen Populationen des Rotmilans, im Vogelsberg stehen zudem zahlreiche Windräder. Im Auftrag des Landes untersuchte der Nabu in dem Projekt „Mäuse für den Milan“ das Flugverhalten des Rotmilans im Umfeld bestehender Windenergieanlagen im EU-Vogelschutzgebiet Vogelsberg

Sieben Vögel im Vogelsberg wurden in fünf Jahren Schlagopfer von Windrädern

Untersucht wurden drei Gebiete mit einer Fläche von insgesamt 340 Quadratkilometern (qkm), davon 140 bei Ulrichstein sowie 125 qkm im Bereich Freiensteinau/Hosenfeld. Die Zahl der Brutpaare schwankte in den Jahren 2013 bis 2017 zwischen 55 und 73.

Im Bereich Ulrichstein, wo während des Projektzeitraums 54 Windrädern standen, wurde eine standardisierte Schlagopfersuche vorgenommen. Dabei wurden in zwei Jahren jeweils überhaupt keine Schlagopfer registriert, in zwei Jahren jeweils zwei Schlagopfer, und 2015 waren es drei Schlagopfer.

Video: Nabu warnt vor falsch verstandener Tierliebe

Insgesamt wurden im Rahmen des Projektes im Vogelsberg zwischen 2013 und 2017 letztlich 103 tote Rotmilane registriert. Bei mehr als der Hälfte davon (58) wurde „Rupfung Jungvogel“, bei 16 weiteren „Rupfung Altvogel“ als Ursache angegeben – sie wurden also wohl Opfer eines natürlichen Feindes wie Uhu oder Habicht.

Fünf Vögel wurden demnach vergiftet, vier kamen durch den Kontakt mit einer Stromleitung und drei im Verkehr um. Die Schlagopfer durch Windräder summieren sich auf sieben, das entspricht 6,8 Prozent. Bei den übrigen wurde die Todesursache nicht festgestellt.

In Hessen sind derzeit 1115 Windenergieanlagen (WEA) in Betrieb. Weitere 27 WEA befinden sich im Bau. Mit Stand 7. Juli befinden sich 277 WEA im Genehmigungsverfahren. 191 Windräder, die vor 2001 in Betrieb gegangen sind, fallen Anfang 2021 aus der EEG-Förderung. 

So viele Windräder stehen in der Region

Im Landkreis Fulda stehen 20 Windräder verteilt auf Eiterfeld (17) und Hofbieber (3). Die 98 Anlagen im Main-Kinzig-Kreis verteilen sich aktuell folgendermaßen auf die Kommunen: Birstein (8), Brachttal (9), Gründau (5), Nidderau (4), Schlüchtern (36), Schöneck (9), Sinntal (7), Steinau (10) und Wächtersbach (10).

264 Windräder drehen sich nach Angaben des Hessischen Umweltministeriums im Vogelsbergkreis und zwar in Alsfeld (42), Antrifttal (4), Feldatal (10), Freiensteinau (18), Gemünden (8), Grebenau (4), Grebenhain (18), Herbstein (3), Homberg (7), Kirtorf (17), Lauterbach (6), Lautertal (20), Mücke (20), Romrod (5), Schlitz (12), Schotten (3), Schwalmtal (7), Ulrichstein (55), Wartenberg (5)

Das länderübergreifende Artenhilfsprojekt „Rotmilan in der Rhön“ ist übrigens seit dem 31. Juli 2020 ist das beendet – der Schutz des Charaktervogels der Rhön geht aber weiter. Tierisch ging es zuletzt auch beim einem Unternehmen in Unterfranken zu: Eine kleine Katze war als blinder Passagier auf die weitere Reise von Afrika nach Kahl gegangen.  

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