Bretter, die die Welt bedeuten: Wenn man’s kann und über den Nieder-Mooser See flitzt, macht Windsurfen richtig Spaß.
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Bretter, die die Welt bedeuten: Wenn man’s kann und über den Nieder-Mooser See flitzt, macht Windsurfen richtig Spaß.

Urlaubstipp in der Region

Nieder-Moos statt Hawaii: So geht Windsurfen auf dem See

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Mit dem Brett raus auf den See, mit hoher Geschwindigkeit anmutig über das Wasser flitzen – und dabei bewundernde Blicke für meine Coolness erhaschen: So habe ich mir das gedacht. Doch eine Schnupperstunde zeigt, dass Windsurfen gar nicht so einfach ist.

  • Am Nieder-Mooser See können Interessierte Windsurfen lernen.
  • Nach einiger Zeit auf dem Surfboard klappt's auch mit dem Gleichgewicht.
  • Ein Tipp für den Urlaub in der Region.

Nieder-Moos - Am Nieder-Mooser See tummeln sich zurzeit nicht nur Sonnenanbeter, sondern auch Wind- und Wasserhungrige. Während sich am Ufer viele in der Sonne räkeln, tanzen bunte Segel über dem See. Auch ein Kanu ist gerade unterwegs, und ein Stand-Up-Paddler gönnt sich eine kleine Ausfahrt – obwohl der Wind ordentlich von der Seite bläst. Was schlecht fürs Stehpaddeln ist, ist umso besser beim Stehsurfen. Ich bin gespannt, wie es ist, mit rasanter Geschwindigkeit über das Wasser zu zischen.

Ein Tipp für den Urlaub in der Region: Windsurfen auf dem Nieder-Mooser See

Dass es mir die Natur nicht so einfach machen wird, erahne ich, als ich mich in den Neoprenanzug der Surfschule quetsche. Zahlreiche Stellen an Knien und Ellenbogen sind abgewetzt: Meine Vorgänger in dieser Montur haben offenbar so manche Seeschlacht schon geschlagen. Mir wird klar: Auch wenn der See jetzt noch sein friedliches Angesicht präsentiert, wird das hier ein Kampf mit den Elementen: Ich steige in den Ring mit Wind und Wasser. Wer wird gewinnen? Ich bin jedenfalls bereit.

Surflehrer Andreas Fey – ein Ebenbild des lässigen Surfers – schickt mich allerdings erst einmal auf einen Simulator am Ufer, der rodeomäßig hin und her kippt. Dass ich nicht mit sonderlich viel Gleichgewichtssinn gesegnet bin, ahnte ich schon. Jetzt wird es ganz deutlich: Ich kann die Balance kaum halten.

Windsurfen auf dem Nieder-Mooser See - eine wackelige Angelegenheit

Nachdem mir Andreas den Aufbau des Sportgeräts mit Brett und Rigg – so heißen Mast, Gabelbaum und Segel – erklärt hat, darf ich dann endlich hinaus ins Wasser, das mit 23 Grad angenehm warm ist. Der Grund ist anfangs steinig, wer weiter hineinwatet, fühlt den tiefen Matsch, in den man bis über die Knöchel einsinken kann.

Nach ein bisschen Eingewöhnungszeit klappt es auch besser mit dem Gleichgewicht.

Mit dem Surfbrett im Schlepptau schwimme ich hinaus, um dann mit leider wenig Anmut aufs Brett zu krabbeln. „Das dürfte eine wacklige Angelegenheit werden“, denke ich mir noch. Und tatsächlich: Ich schaffe es zwar, aufzustehen, aber als ich mit dem Seil das schwer im Wasser liegende Segel hochziehen will, passiert’s: Mit einem ziemlich lauten Platsch und einem kleinen Schrei lande ich im Nieder-Mooser See.

Bei Wind bekommt das Surfboard „irren Speed“

Nun gut, die hohe Kunst des Windsurfens besteht darin, nicht aufzugeben und sich nach jedem Wasserplatscher wieder aufs Brett zu ziehen – und sich bloß nicht von den grinsenden Zuschauern am Ufer wuschig machen zu lassen. Denn die sehe ich ganz genau aus den Augenwinkeln.

Doch irgendwann stehe ich sicher – Haltungsnote sechs zwar, aber beide Füße fest auf dem Board –, als mein Segel plötzlich Wind fängt und sich das Brett nach vorne bewegt. Surflehrer Andreas lacht, sagt noch „Tschüß“ und schon bin ich weg. Bei irrem Speed – bestimmt zwei Stundenkilometer oder so – packt mich dann aber doch leichte Panik. Wo das Bremspedal ist, habe ich noch nicht gelernt.

Herausforderung: Das Wendemanöver auf dem Surfboard

Ich erinnere mich an die 90er-Jahre-TV-Serie „Gegen den Wind“, in der die Windsurfer von Sankt Peter-Ording den größten Coolness-Faktor überhaupt besaßen. Mein Faktor tendiert leider gegen Null – aber Spaß macht’s jetzt doch. Langsam hab ich den Bogen raus. Beim Heranziehen füllt sich das Segel mit Wind, und das Brett gleitet sanft dahin.

Das Blöde: Irgendwann ist auch der Nieder-Mooser See mal zu Ende. Ich habe die Wahl, um nicht in Schilf und Gestrüpp zu landen: entweder das Segel jetzt ins Wasser schmeißen und springen – oder elegant wenden. Andreas hat genau erklärt, wie es theoretisch funktioniert: Segel nach hinten zum Heck neigen, damit sich das Board unter dem Segel hindurchdreht.

Am Nieder-Mooser See tummeln sich zurzeit nicht nur Sonnenanbeter, sondern auch Wind- und Wasserhungrige.

Allerdings wird es dann kompliziert: Denn nicht nur das Segel muss gewendet werden, auch der Surfer muss sich einmal um 180 Grad auf dem Brett drehen: Das versuche ich tänzelnden Schrittes – und weiß doch, was gleich passiert: Ich habe mein Gewicht schlecht verlagert und klatsche ins Wasser. Schon wieder.

Windsurfen auf dem Nieder-Mooser See ist „ideal“

Aber auch wenn ich unsicher und mit verkrampften Fingern am Segel auf wackligem Brett über den See schippere, spüre ich es dann doch: Freiheit. Jetzt ist auch kurz mal Zeit, um durchzuatmen und die Szenerie auf mich wirken zu lassen. Neben mir fährt Andreas waghalsige Manöver, der Angeber, am Ufer herrscht mediterranes Treiben, hinter mir zeigt sich eine tolle grüne Landschaft.

Wer Windsurfen lernen möchte, braucht nicht die brodelnden Wellen an der Ostsee, am Nieder-Mooser-See ist’s ideal. Und dann, als ich erhaben auf dem Board stehe, mir der Wind in den Haaren zerrt, das Wasser in der Sonne glitzert, da weiß ich es: Surfboards – das sind die Bretter, die die Welt bedeuten.

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