Silberreiher, eigentlich am Neusiedler See und in Ungarn zu Hause, werden immer häufiger bei uns beobachtet – auch an Gewässern und Feldern im Schlitzerland. / Foto: dpa

Wintergäste im schneeweißen Federkleid: Silberreiher im Schlitzerland

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schitzerland - Sie stehen auf wilden Wiesen, an Flussufern oder auf kahlen Feldern und sind bereits von weither zu sehen: Kleinere Gruppen von Silberreihern leben derzeit als Wintergäste im Schlitzerland.

Staksende Tiere im weißen Gewand gehören seit einigen Jahren auch im Winter zum Landschaftsbild im Schlitzerland. „Einige Leute halten sie für Störche und wundern sich, ob diese schon wieder aus ihrem Winterquartier in Afrika zurück sind“, so Jürgen Staab, Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Schlitzerland. „Sie fallen durch ihre weißen Federn ja auch sehr auf. Hätten wir mehr Schnee über den ganzen Winter, würden man sie wahrscheinlich weitaus weniger wahrnehmen.“ Auch er hat bereits einige Gruppen von zwei bis zu fünf Tieren im Schlitzerland beobachtet, zum Beispiel im oberen Fuldatal bei Hemmen oder auch in den Fuldawiesen bei Sandlofs. „Man sieht sie aber überall momentan“, so Staab. „Osthessen ist ein beliebtes Winterquartier. Es gibt aber auch Gruppen, die ganzjährig hier leben, gerade auch im Vogelsbergkreis.“ Silberreiher sind auch in Hessen an vielen Flüssen und Seen als Wintergast und Durchzügler anzutreffen, oft gleichzeitig mit Graureihern. „Besonders häufig wird die Art im Winterhalbjahr bei uns gesehen“, heißt es vom hessischen Umweltministerium. Seit dem ersten Oktober des vergangenen Jahres wurden zwischen 550 und 750 Tiere in Hessen gesichtet, berichtet Dagmar Stiefel von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland in Frankfurt. Silberreiher auf dem Vormarsch Ursprünglich ist der Silberreiher in weiten Teilen Ost- und Südeuropas, so zum Beispiel in Ungarn und in Österreich am Neusiedler See zu beobachten. „Die Art zeigt eine ausgeprägte Neigung zu Wanderungen und wird in zunehmender Zahl auch in den Regionen Mitteleuropas und insbesondere in Deutschland beobachtet, wo er kein Brutvogel ist“, so das Ministerium. Ein 2012 in Mecklenburg-Vorpommern entdecktes Brutpaar ist bisher das einzige, welches einen erfolgreichen Brutversuch auf deutschem Boden vorzeigen kann. Warum die Silberreiher immer mehr Gebiete in Westeuropa erschließt, hat unterschiedliche Gründe. „Durch die Klimaerwärmung wurden immer mehr nördliche Gebiete für sie interessant,“ erklärt Müller. „Ihr Nahrungshabitat überschneidet sich zum Beispiel auch mit dem des Graureihers, den wir hier ja häufiger sehen“, führt er weiter aus, „die Arten stehen aber nicht in Konkurrenz zueinander.“ Ganz im Gegenteil: „Das in Mecklenburg-Vorpommern beobachtete Paar hat in einer Graureiher-Kolonie gebrütet“, so Stiefel. Sie sieht aber nicht nur die Veränderungen im Klima für die Wanderungen verantwortlich: „Das allein ist es sicher nicht.“ Vielmehr sei ein Zusammenspiel aus einer veränderten Situation im bisherigen Brutgebiet sowie der Verfügbarkeit von Brutplätzen und Nahrung zu beobachten. „Der landwirtschaftliche Umbruch nach der Wende in Ungarn kann eine Rolle spielen“, so Stiefel. „Es kann aber auch einfach daran liegen, dass sie sich in ihren Ursprungsgebieten so gut vermehrt haben, dass es ihnen dort zu eng wurde.“ Auf der Suche nach geeigneten Nistplätzen falle deshalb, auch durch die milderen Winter, Deutschland mittlerweile in ihr Blickfeld. Bis zu einer weiteren erfolgreichen Brut kann es aber noch dauern: „Anscheinend stimmen noch nicht alle Bedingungen perfekt“, urteilt Stiefel. „Aber in den nächsten fünf bis zehn Jahren könnte es weitere Brutpaare in Deutschland geben.“ / rsb

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