Ein Wolf blickt in die Kamera.
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In Hessen ist seit Jahren wieder ein Wolfsterritorium festgestellt worden.

Wegen Wolfsansiedlung

Vogelsbergkreis fordert mehr Unterstützung für Weidetierhalter

Im März wurde bekannt, dass eine Wölfin im Vogelsbergkreis ihr neues Revier in der Nähe von Ulrichstein gefunden hat. Mit ihr halten auch die Diskussionen Einzug, denn wenn in besiedelten und bewirtschafteten Regionen ein Wolf auftaucht, bleibt der Meinungsaustausch darüber, wie ein Zusammenleben aussehen kann, nicht aus. In einem Katalog an Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) fordert die Kreisspitze unter anderem die Kostenerstattung von Elektrozäunen.

Als Reaktion und zum Schutz der Weidetierhalter hat die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz die Herdenschutzprämie auf den Weg gebracht. Diese soll seit 2018 den Mehraufwand für den Herdenschutz bei Schaf- und Ziegenhaltern über das Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) fördern. Allerdings greifen diese Maßnahmen nach Ansicht vieler Landwirte, Schaf-, Ziegen-, und Weidetierhalter zu kurz.

40 Euro Herdenschutzprämie reichen nicht

„Wir nehmen die Sorgen, Fragen und das Bedürfnis nach Schutz und Aufklärung ernst“, sagt Landrat Manfred Görig (SPD). „Deswegen setzen wir uns auf Landesebene dafür ein, alle Weidetierhalter im Vogelsbergkreis besser zu unterstützen und ihre Arbeit zu honorieren.“ Weidetierhalter prägen, pflegen und erhalten seit Jahrhunderten die Kulturlandschaft der Region – die Zukunft ihrer Arbeit sehen viele durch die Anwesenheit der Wölfin bedroht. „Wir müssen deshalb funktionierende Ausgleichsmechanismen erarbeiten und die regionalen Erzeuger bei ihrer Arbeit unterstützen – 40 Euro Herdenschutzprämie pro Hektar reichen auf den vielen rauen Vogelsberger Weiden oft nicht aus“, stellt Görig klar.

Das Zusammenleben mit dem Wolf müsse zwar akzeptiert, die Regelungen und Rahmenbedingungen aber angepasst werden. Zu diesem Zweck hat die Kreisspitze gemeinsam mit dem Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum sowie Vertretern aus Landwirtschaft und der Weidetierhalter einen Forderungskatalog ausgearbeitet und an die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz übergeben.

Andere Bundesländer als Vorbild

„Wir müssen versuchen, dem Zielkonflikt zwischen Landwirtschaft, Bevölkerung und Naturschutz mit pragmatischen Lösungen zu begegnen“, sind sich der Landrat und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak einig, denn es sei durchaus denkbar, dass sich auch im Vogelsberg ein Wolfsrudel entwickle. Nach Ansicht der Kreisspitze können pragmatische Lösungen gelingen, wenn alle Weidetierhalter im Vogelsbergkreis die Kosten für Elektrozäune, den Mehraufwand bei der Kontrolle und Dokumentation sowie das Zubehör und die Anschaffung von Herdenschutzhunden vom Land Hessen im Rahmen eines Investitionsprogrammes ersetzt bekommen.

Schadensbegrenzung und Konfliktbewältigung seien für die Weidetierhalter der Vogelsberger Mittelgebirgsregion wichtig. Bundesländer wie Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen hätten vor dem Hintergrund sich ausbreitender Wolfspopulationen schon viele pragmatischen Lösungen in Angriff genommen. Dort werde beispielsweise die Anschaffung von Herdenschutzhunden finanziert und in definierten Gebieten profitieren auch Rinder- oder Pferdehalter von den Unterstützungsmaßnahmen. „Gerade beginnt die Weide-Saison und damit steigt das Risiko folgenschwerer Wolfsrisse. Es darf also nicht länger gezögert werden, bis weitreichende Maßnahmen in Angriff genommen werden“, stellt Görig klar. Nur so könne der Zielkonflikt zwischen Naturschutz, Erhalt der Kulturlandschaft und den Ängsten und Sorgen der Bürger aufgelöst werden. / akh, dpa

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