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Zeugen in Entführungsfall Würth unsicher – Experten erkennen Stimme in Aufnahmen wieder

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Foto: Arne Dedert/dpa
Foto: Arne Dedert/dpa

Gießen/Schlitz - Die aufgezeichnete Stimme des Kidnappers spielt bei der gerichtlichen Aufklärung des Entführungsfalls Würth eine wichtige Rolle. Am Mittwoch gab es am Landgericht Gießen bei den Zeugen Zweifel. Experten bestätigten Mittwochnachmittag, dass die Vergleichsaufnahmen „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ vom selben Sprecher stammen.

Bei der Vorstellung ihres Gutachtens am Mittwochnachmittag sagten die beiden Experten der Universität Marburg nach umfangreichen Untersuchungen, dass der Mitschnitt sowie Vergleichs-Aufnahmen aus der Telefonüberwachung des Angeklagten „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ vom selben Sprecher stammen.

Für die Analyse verglichen sie verschiedene Merkmale von Stimme, Sprache und Sprechweise. Zwar hätten die Stimmproben auch Unterschiede aufgewiesen, doch sei das mit „alltäglicher sprachlicher Variation“ zu erklären.

Der Kidnapper spricht ruhig, mit deutlichem Akzent und klingt mitunter etwas verzweifelt. „Ich bitte um Verzeihung“, sagt er durchs Telefon zur Mutter von Entführungsopfer Würth. Und fragt, ob sie die Koordinaten erreicht habe, die zu ihrem Sohn führen. „Fahren Sie bitte dahin und befreien Sie ihn“, sagt der Mann. So geschieht es auch: Markus Würth wird gerettet. Um zu klären, ob die Stimme dem 48-jährigen Angeklagten gehört und er der Täter ist, hat sich das Landgericht Gießen am Mittwoch mehrere Telefon-Mitschnitte angehört.

Im Prozess um die Entführung von Milliardärssohn Würth haben wichtige Zeugen mit ihrer Erinnerung zu kämpfen. Eine 56-Jährige berichtete dem Landgericht Gießen am Mittwoch zwar, dass sie die Stimme des Angeklagten „sofort“ erkannt habe. Bei Detailfragen des Gerichts zu sprachlichen Eigenarten musste sie aber Unsicherheiten einräumen. Ein 52-Jähriger Zeuge, der sich bei seiner Befragung bei der Polizei zu der Stimme noch „ziemlich sicher“ gewesen war, sprach nun von Zweifeln.

Die Stimme des Angeklagten spielt eine zentrale Rolle in dem Verfahren, denn die Ermittler stützen ihre Anklage zu großen Teilen auf die Analyse und Zuordnung eines Telefon-Mitschnitts. Die darauf festgehaltene Erpresserstimme soll dem 48-Jährigen gehören.

Ungewöhnliche Verabschiedungsformel

Dem aus Serbien stammenden Mann wird vorgeworfen, den behinderten erwachsenen Sohn des baden-württembergischen Unternehmers Reinhold Würth im Juni 2015 im osthessischen Schlitz entführt und am Telefon drei Millionen Euro Lösegeld gefordert zu haben. Nach einer gescheiterten Übergabe wurde das Opfer einen Tag später in einem Wald bei Würzburg unversehrt an einen Baum gekettet gefunden. Die Ermittler vermuten, dass der Angeklagte Mittäter hatte.

Die aufgenommene Erpresserstimme weise verschiedene Auffälligkeiten auf, sagte ein Kriminalbeamter am Mittwoch im Zeugenstand. Dazu zählte er dessen ungewöhnliche Verabschiedungsformel „Ich trenne mich“. Die Ermittler seien sich sicher gewesen, dass irgendjemand auch deswegen die Stimme erkennen werde, sagte der 34-Jährige. Die Beamten verteilten demnach zahlreiche Fahndungsplakate im Rhein-Main-Gebiet, dem vermuteten Wohnort des Täters. Zudem schrieben sie mehr als 6000 Personen persönlich an, von denen sie hofften, dass sie die Stimme identifizieren könnten.

Zeugin nicht mehr 100 Prozent sicher

Am Ende war es die 56 Jahre alte Zeugin, die den entscheidenden Hinweis gab. Sie habe zufällig ein Fahndungsplakat gesehen und daraufhin die Polizei-Hotline angerufen, um den Telefon-Mitschnitt anzuhören. „Ich habe sofort die Stimme erkannt“, sagte sie vor Gericht. Die Stimme gehörte demnach ihrem Handwerker, der bei ihr Renovierungsarbeiten erledigt hatte. Und das soll der Angeklagte gewesen sein.

Erst später fiel der Zeugin nach eigenen Angaben ein, dass der Handwerker die ungewöhnliche Wendung „Ich trenne mich“ gebraucht habe. Angesichts mancher Ungenauigkeiten in ihrer Aussage oder fehlender Erinnerungen zu Details sowie nach mehrfacher Nachfrage des Gerichts schränkte die Zeugin dann ein: Sie gehe davon aus, dass sie sich an die Formulierung korrekt erinnere, doch sei sie nicht mehr 100 Prozent sicher.

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